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Der 1. FC Nürnberg verliert einen der Architekten seines jüngsten sportlichen Aufschwungs. Nach zwei gemeinsamen Jahren verlässt Sportvorstand Joti Chatzialexiou den fränkischen Zweitligisten und schließt sich wohl Eintracht Frankfurt als Nachfolger von Markus Krösche an. Letzterer war Mitte Oktober vom Aufsichtsrat auf eigenen Wunsch freigestellt worden, anschließend war Chatzialexiou bei der SGE in den Fokus gerückt. In Nürnberg hinterlässt der 50-Jährige eine große Lücke.
Auf der Abschlusspressekonferenz des 1. FC Nürnberg vor dem Spiel auf St. Pauli sagte Trainer Miroslav Klose, dass er vor der PK davon erfahren habe. Der Verein werde einen geeigneten Nachfolger finden.
Gemeinhin gilt Chatzialexiou als Mann mit einem Auge für Talent, das er in reichlich Geld verwandeln kann. Unter seiner Führung fuhr Nürnberg mit den Verkäufen von Finn Jeltsch (9,5 Millionen Euro), Caspar Jander (12 Millionen Euro) oder Can Uzun (13 Millionen Euro) ein sattes Plus auf dem Transfermarkt ein, gleichzeitig tätigte er clevere Investitionen.
Vor allem Mohamed Alì Zoma sticht heraus: Für den italienischen Nationalspieler ließ der FCN 1,5 Millionen Euro in Richtung AlbinoLeffe aus der Serie C fließen. Auf den ersten Blick ein riskanter Vorgang für einen weithin unbekannten Spieler. Mittlerweile verfügt Zoma über einen Marktwert von 20 Millionen Euro, hatte im vergangenen Sommer lukrative Angebote aus dem Ausland vorliegen und entschied sich dennoch für einen Verbleib. Ebenso ein beachtlicher Erfolg für Chatzialexiou.
Sein Feingefühl auf dem Transfermarkt sowie sein weitgreifendes Netzwerk in der Welt des Fußballs machten Chatzialexiou zu einer der Schlüsselfiguren beim 1. FC Nürnberg, der in der laufenden Saison um den Aufstieg in die Bundesliga spielt. Damit erarbeitete er sich aber auch einen Ruf, der nur zu gut in das Anforderungsprofil von Eintracht Frankfurt passt: Vorgänger Krösche hatte bei der SGE selbst jahrelang Spieler mit Potenzial für kleines Geld verpflichtet und sie enorm gewinnbringend weiterverkauft.
Gewiss: Chatzialexiou hinterlässt für seinen Nachfolger große Fußstapfen. Das fränkische Kartenhaus bricht mit seinem Abgang aber nicht einfach zusammen. In den vergangenen Jahren schaffte der FCN vereinsinterne Strukturen, die unabhängig von Personen sind. Die Übernahme eines Amtes sollte demnach generell reibungslos verlaufen.
Darüber hinaus greift Nürnberg gerade im Beriech Transfertätigkeiten auf einen besonderen Trumpf zurück. Seit dem Sommer 2025 arbeitet der Zweitligist mit dem britischen Datenanalyse- und Scoutingunternehmen Jamestown Analytics zusammen, zu dessen Kunden auch Brighton & Hove Albion (England), Como (Italien) oder auch Heart of Midlothian (Schottland) zählen. Vereine, die allesamt dank ihrer außergewöhnlichen Transfers seit geraumer Zeit äußerst stark performen.
"Am Ende war das mit unser bester Draft, den wir zu Beginn getätigt haben, weil sie uns in den jeweiligen Transferfenstern gut unterstützt und bei der Spielerakquise geholfen haben", blickte Chatzialexiou jüngst in einem Interview mit Transfermarkt.com zurück. Mit anderen Worten: Jene Daten werden dem 1. FC Nürnberg auch in Zukunft gute Dienste leisten. Sie müssen einzig in den richtigen Kontext gesetzt werden.
"Es gibt viele Vereine, die grundsätzlich so arbeiten. Daten können aber keinen Charakter darstellen und das ist ein Faktor, der für uns auch Relevanz hat. Aber rein auf sportlicher Ebene geben sie uns sehr fundierte Erkenntnisse, die wir im Nachgang in einem Charaktertest bestätigen", merkte Chatzialexiou an. Sein Nachfolger kann in Nürnberg also auf einem hervorragend vorbereiteten Fundament weiterbauen.
Chatzialexiou selbst betritt bei der Eintracht kein unbekanntes Terrain. Der gebürtige Frankfurter hatte bereits von 2001 bis 2009 bei den Hessen als Trainer in der Jugendabteilung gearbeitet, bevor er hauptamtlich zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) gewechselt war. Beim DFB stieg er bis zum Sportlicher Leiter der Nachwuchsabteilung auf. Ende 2023 verließ er der Verband und heuerte im Mai 2024 in Nürnberg an - und kehrt nun in seine alte Heimat zurück.