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Ein Auftritt, der so nicht kommen zu sehen war. Alexander Zverev muss seinen Masters-Traum begraben – und sorgt damit für Verzug in Sachen Krönung.
Shanghai – Müde, geschlagen, aber auch recht gefasst schlurfte Alexander Zverev aus der riesigen Tennis-Arena von Shanghai. Am Ende einer kräftezehrenden Woche war der Tank der kommenden Nummer eins schlichtweg leer, gegen den Spanier Alejandro Davidovich Fokina hieß es am Ende auch verdient 7:5, 4:6, 3:6 aus deutscher Sicht.
„Ich war heute im dritten Satz einfach physisch besser“, sprach Davidovich Fokina nach dem 5:7, 6:4, 6:3 in der Sauna von Shanghai das ohnehin deutlich Sichtbare aus. Für die Nummer 26 der Welt war es das 48. Tour-Match der Saison – Zverev hat hingegen satte 30 Matches mehr bestritten. Beim French- und US-Open-Sieger ist am Ende einer Traumsaison aktuell die Leichtigkeit der Mühsal gewichen.
Die Halbfinal-Niederlage ändert Zverevs Ausgangslage für die kommenden Wochen. Durch sie steht nun fest, dass er noch nicht beim kommenden Turnier in Wien den Sprung an die Spitze der Weltrangliste schaffen kann. Bei einem Final-Einzug hätte Zverev mit einem Turniersieg in Österreich am 2. November erstmals Weltranglistenerster sein können. Dass er die Nummer eins in diesem Jahr werden wird, ist allerdings seit Montag Gewissheit.
Dass es nichts wurde mit seinem zweiten Final-Einzug in Shanghai, ist insgesamt verschmerzbar. 2019 war Zverev beim 4:6, 1:6 gegen Daniil Medvedev chancenlos. Der unbequeme Russe könnte nun der Final-Gegner von Davidovich Fokina werden, der Zverev im achten Duell erst zum zweiten Mal bezwang (zuvor Toronto 2023). Medvedev spielt im zweiten Halbfinale gegen Spaniens Jungstar Rafael Jodar.
Bei schwülen 29 Grad und geöffnetem Hallendach in der Qizhong Forest Sports City Arena spielte Davidovich Fokina in seinem vierten Masters-Halbfinale – nur 2022 in Monte Carlo hatte er zuvor das Endspiel erreicht (Niederlage gegen Stefanos Tsitsipas) – von Beginn an sehr stabil und ließ nur wenig zu. Bei 5:5 war Zverev dann aber voll da und nahm dem Spanier sehr dominant entscheidend den Aufschlag ab.
Im zweiten Satz wackelte Zverev mehrmals und kassierte das entscheidende Break zum 4:6. Davidovich Fokina wirkte nun deutlich frischer und spielte sich phasenweise in einen Rausch. Schnell führte der Mann aus Malaga 3:0 und 4:1, Zverevs Widerstand schien nur noch halbherzig. Zwei Matchbälle wehrte der Hamburger noch ab, den dritten dann nicht mehr. Am Ende einer Saison der Superlative wird diese Niederlage dennoch nicht mehr als eine Fußnote sein.
Herausragende 10.070 Weltranglisten-Punkte wird Zverev am kommenden Montag besitzen, als siebter Spieler seit der Reform 2009 knackt er die 10.000er-Marke. Und das reicht ob der dezimierten Konkurrenz, um am Jahresende das ATP-Ranking anzuführen. Mit dieser wohligen Aussicht im Kopf kann Zverev nun den geschundenen Körper etwas Schonung gönnen: Die Verschiebung des Six Kings Slam wegen der Kriegshandlungen in Saudi-Arabien verschafft ihm eine seltene freie Woche. (rele)