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Patrick Franziska unterliegt im Finale dem Weltranglistendritten Tomokazu Harimoto mit 2:4. Zuvor hatte der 34-jährige Lokalmatador mit seiner Siegesserie begeistert. In Erinnerung wird sein Triumph gegen den Weltranglistenersten Matsushima bleiben. Auch eine deutsche Spielerin überzeugte ihrem Weg ins Halbfinale.
Frankfurt – Aus Patrick Franziskas Heimat haben sie es nicht weit bis nach Frankfurt. „Ich hatte vor dem Turnier aber scherzhaft zu meiner Familie gesagt: Ihr braucht erst am Sonntag zu kommen“, flachste der Mann aus Otzberg im Odenwald. Da rechnete der 34-jährige Tischtennisprofi noch nicht damit, dass er beim „Heimspiel“ in der Ballsporthalle so groß aufspielen würde. Nach der 4:2-Sensation im Viertelfinale gegen den Weltranglistenersten und Titelverteidiger Sora Matsushima schlug Franziska, den sie „Franz“ rufen, am Sonntag Shunsuke Togami (4:2) und lieferte am Abend im Finale mit Tomokazu Harimoto, Nummer drei der Welt, dem dritten japanischen Gegner innerhalb von nur 20 Stunden einen großen Fight.
Den dritten Satz gewann der Lokalmatador nach 2:10-Rückstand noch mit 13:11. Doch Harimoto kämpfte sich zurück und hatte mit 4:2 das bessere Ende für sich (2:11, 11:9, 11:13, 11:8, 11:4, 11:4) – um in seiner Siegesrede hauptsächlich Franziska für dessen fantastische Woche zu loben. Der war jedoch erst einmal untröstlich, muss er doch weiter auf einen großen internationalen Turniersieg warten. Erst nach Minuten erhob er sich wieder aus der Spielerbox und bedankte sich auf einer Ehrenrunde bei den Fans.
Schon am Samstagabend hatte sich die Arena im Stadtteil Unterliederbach in ein Tollhaus verwandelt. Klatschten die 3100 Zuschauer auf den gut gefüllten Tribünen noch eher brav Beifall, als Senkrechtstarter Wim Verdonschot gegen Togami gut mithielt (2:4), war beim Match von Sabine Winter gleich Feuer unterm Dach. Zum 11:3 im ersten Satz war die gebürtige Bad Sodenerin geradezu gestürmt, und als die verdutzte Chinesin Chen Yi sich etwas zu erholen schien, legte die beste europäische Spielerin einfach noch eine Schippe drauf. „Das sind die einmaligen Momente, an die man sich immer erinnern wird“, sagte die 34-Jährige nach 4:0-Furioso. Im Halbfinale unterlag Winter dann Odo nach fünf engen Sätzen.
Wie Franziska kürzlich hatte Winter schon in Montpellier in einem WTT-Champions-Finale gestanden (2025). Ihr ist also auch gegen die asiatische Übermacht im Frauen-Tischtennis einiges zuzutrauen. Aber die Art und Weise, wie die beiden Deutschen aufspielten, riss die Zuschauer teilweise von den Sitzen. Franziska entzauberte am Samstag die Nummer eins der Welt, Sora Matsushima, sodass der Titelverteidiger sich beim Seitenwechsel genervt auf die Bande setzte und seinem Trainer gar nicht mehr zuhörte. Wie ein beleidigtes Kind, dem man den Ball abgenommen hat.
Franziska, der im Achtelfinale gegen Nationalteamkollege Benedikt Duda drei Matchbälle abgewehrt hatte, gelangen gegen den 19-Jährigen immer wieder spektakuläre Punktgewinne. Nach seiner krachenden Vorhand zum Sieg (4:2) ließ er sich auf den Rücken fallen, als könne er es nicht fassen. Danach startete der gebürtige Bensheimer die Party mit pumpenden Handbewegungen zur Fußballstadion-Hymne von Scooter, die Leute waren aus dem Häuschen. „Frankfuuurt“, rief er den Fans beim Interview zu, „danke, danke, danke – geil!“
Angesichts solcher Momente und der ab Freitag sehr gut gefüllten Ballsporthalle dürften hiesige Tischtennis-Fans schon ein wenig Wehmut überkommen. Das WTT-Champions-Buch wird in Frankfurt zugeklappt, übrigens auf Wunsch des deutschen Verbandes, zugunsten einer kleiner dimensionierten Fortsetzungsgeschichte im Jahr 2027. Dafür waren die deutschen Protagonisten im vierten und letzten Kapitel nochmals richtig aufgeblüht. Wenn auch ohne Happy End.