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Deutscher Fußball-Bund: Diese Wahl wirft im Amateurfußball jetzt vieles durcheinander
Ronny Zimmermann (links) mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf beim Bundestag im November 2025.
Ronny Zimmermann (links) mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf beim Bundestag im November 2025.Gerhard Schultheiß/Jan Huebner/Imago

Ronny Zimmermann schlich ziemlich angefasst durchs Foyer der Handwerkskammer in Augsburg. Ein paar Vertraute spendeten ihm Trost, irgendwann marschierte er mit einer Brezel in der Hand nach draußen zum obligatorischen Gruppenfoto, auf dem sich die relevanten Funktionäre dieses süddeutschen Fußballverbandstages zusammenfanden. Und bald danach fuhr Zimmermann davon, nach einem Treffen, das einer kleinen Revolution im deutschen Amateurfußball gleichkam.

Der badische Rechtsanwalt Ronny Zimmermann, 65, ist formal der höchste Amateurfunktionär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), als „Erster Vizepräsident Amateure“ sitzt er in dessen 16-köpfigem Präsidium. Doch in Augsburg musste er eine Niederlage einstecken: Er verlor sein Amt als Präsident des süddeutschen Verbandes an den Südbadener Reinhold Brandt. Im DFB gibt es die fünf Regionalverbände Nord, Nordost, West, Südwest und Süd, in denen wiederum 21 Landesverbände organisiert sind. Dass Zimmermann den Süd-Verband nicht mehr anführen darf, hat zwar keine formalen Konsequenzen für sein Amt als erster DFB-Vize. Aber die sportpolitische Statik im DFB erschüttert es auf jeden Fall: Das Amateurlager muss sich jetzt neu sortieren.

DFB

:Aufstand im Amateurlager

In den Landesverbänden des DFB hat sich viel Frust aufgestaut. Jetzt entlädt sich der Unmut in einer Kampfkandidatur gegen ihren formal wichtigsten Funktionär – den ersten DFB-Vizepräsidenten Ronny Zimmermann.

Zimmermann ist seit März 2022 erster Amateur-Vizepräsident, erst im November bestätigte ihn der DFB-Bundestag einstimmig in dem Amt. Rein formal ist er damit in der DFB-Hierarchie direkt unter dem Präsidenten Bernd Neuendorf angesiedelt, auf Augenhöhe mit dem ersten Vizepräsidenten des Profilagers Hans-Joachim Watzke, Präsident von Borussia Dortmund und Präsident der Bundesliga (bis zu dieser Saison: DFL). Doch im Amateurlager herrscht schon länger Unzufriedenheit wegen Zimmermanns Amtsführung.

Jüngere Landesfürsten rebellierten gegen die Abschaffung der Altersgrenze

Eine beachtlich große Gruppe findet, dass ihre Interessen nicht gut genug vertreten werden, nicht zuletzt im Vergleich zu den Ansprüchen der Profis. Dazu kamen interne Spannungen im süddeutschen Verband, zu dem der bayerische, der badische, der südbadische, der württembergische und der hessische Landesverband gehören. Man müsse am Umgang miteinander arbeiten, sagte Zimmermann am Samstag in seiner Bewerbungsrede, man habe da viele Fehler gemacht. Gerade die bayerische Fraktion und deren Präsidenten Christoph Kern hatte er gegen sich aufgebracht. Aber seine reuigen Worte halfen nichts mehr, die Abstimmung endete deutlich mit 57:87.

Zimmermanns Position als erster Amateur-Vize ist nun enorm geschwächt; er hat eine zentrale Machtbasis verloren. Die Frage ist, welche Folgen das mit sich bringt. Schon in der letzten Oktoberwoche kommen die Präsidenten der 21 Landesverbände zu ihrem nächsten Treffen zusammen. Auch Zimmermann ist dann dabei, weil er zwar nicht mehr Präsident des süddeutschen Verbandes, aber immer noch Präsident des badischen Verbandes und zugleich auch Präsident der Konferenz der Landesverbände ist. Aber da dürften mindestens im informellen Teil zu den Geschehnissen von Augsburg heftige Debatten laufen, bis hin zu der Frage, ob Zimmermann sein Spitzenamt als erster Amateur-Vize weiter ausüben sollte. Und dann ist da der DFB-Präsident Neuendorf: Auch er muss diese Pleite für seinen Gefolgsmann Zimmermann als Niederlage begreifen.

Schon in den vergangenen Jahren waren immer wieder unterschiedliche Fraktionen im Amateurlager sichtbar geworden. Da gibt es beispielsweise altgediente Funktionäre wie den einflussreichen West-Chef Peter Frymuth, 69, der wie Zimmermann ewig dabei ist. Und auf der anderen Seite steht eine Gruppe einiger jüngerer Verbandspräsidenten wie Kern, 43, oder Christian Okun, 47, aus Hamburg. Die rebellierten im Vorjahr schon mal gegen den Plan, die geltende Altersgrenze von 70 Jahren für Präsidiumsmitglieder abzuschaffen.

Bayern und Südwest wehren sich gegen das Kompassmodell

Sehr konkret dürften sich die personellen Veränderungen und der dahinter stehende Unmut bald bei dem Thema zeigen, das den Amateurfußball aufwühlt wie kaum ein anderes: die geplante Regionalliga-Reform. Die soll dazu führen, dass endlich alle Meister in die dritte Liga aufsteigen können. Auf einem Bundestag des DFB am 18. Dezember soll eine Lösung für das ewig schwelende Thema gefunden werden. Die DFB-Spitze präferiert inzwischen das sogenannte Kompassmodell, bei dem die fünf Regionalliga-Staffeln zu vier zusammengefasst und die konkreten Zusammensetzungen jährlich neu berechnet werden sollen. DFB-Präsident Neuendorf hat das Thema zur Chefsache gemacht, schon bald soll ein detailliertes Konzept vorgelegt werden.

Doch gegen dieses Kompassmodell regt sich insbesondere im Süden breiter Widerstand. Der Regionalverband Süd unterhält, anders als der Norden, der Nordosten und der Westen, gar keine eigene Regionalliga. Stattdessen bilden die bayerischen Klubs eine eigene Staffel, die Vereine aus Baden-Württemberg und Hessen wiederum bestücken mit denen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland die Regionalliga Südwest. Vor allem aus diesen Ligen werden – aus unterschiedlichen Gründen und mit unterschiedlichen Alternativvorschlägen – Bedenken gegen das Kompassmodell angemeldet. Die dahinterstehenden Regional- und Landesverbände verfügen auf dem Bundestag über etwas mehr als ein Drittel der Stimmen – womit sie, falls sie geschlossen votieren, eine Sperrminorität gegen die Regionalliga-Reform bilden könnten, für die es eine Zwei-Drittel-Mehrheit braucht.

Ronny Zimmermann galt lange als einer der Funktionäre aus dem süddeutschen Raum, die hier noch am ehesten auf der Neuendorf-Linie waren. Wobei selbst Zimmermann im Wahlkampf auf Distanz gegangen war und die Nachteile des Kompassmodells benannte, etwa den etwaigen Wegfall von Derbys, wenn Nachbarklubs plötzlich unterschiedlichen Ligen zugerechnet werden. Nach dieser Wahl von Augsburg dürfte es im Hinblick auf die Zukunft der Regionalliga erst recht spannend werden bis zum außerordentlichen Bundestag des DFB am 18. Dezember.

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