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Um die Zähigkeit von James etwas einzuordnen, reicht ein Blick ins Jahr 2003, als er volley aus der Highschool in die NBA wechselte. Damals regierte im Weißen Haus noch George Bush jun. und hielt die Welt mit dem Krieg gegen den Irak in Atem. Im Kino fieberte man auf der Suche nach Clownfisch Nemo mit, der dritte Teil der „Herr der Ringe“-Saga räumte bei der Oscar-Gala ab. Apropos Saga: Mit dem „Orden des Phönix“ wurde der fünfte Teil der Harry-Potter-Reihe veröffentlicht – als Buch und noch lange nicht als Film.
Sportlich begann 2003 der Erfolgslauf des Schweizers Roger Federer, der in Wimbledon sein erstes Major-Turnier gewann. 19 weitere sollten folgen. Bei den US-Open bejubelten die Fans einen Heimsieg von Andy Roddick – es ist bis heute der letzte Grand-Slam-Sieg eines US-Amerikaners. Michael Schumacher wurde zum sechsten Mal Formel-1-Weltmeister, und im ÖFB-Team hatte noch Hans Krankl das Sagen. Und: In der NBA startete Michael Jordan bei den Washington Wizards in seine letzte Saison.
Das Ende der Ära Jordan war der Beginn der Ära James. Fast auf den Tag genau 23 Jahre nachdem James als damals 19-Jähriger für die Cleveland Cavaliers gegen die Sacramento Kings in der NBA debütiert hat, dringt der Mann aus Akron/Ohio in Dimensionen vor, die nie ein Basketballer vor ihm gesehen hat. 24 Saisonen stand noch kein Spieler auf dem NBA-Parkett. Auch mit fast 42 Jahren gehört James – der am 30. Dezember Geburtstag feiert – zu den Top Acht der ältesten Spieler, die jemals aufgelaufen sind.
Mit 43.440 Punkten hat James den einstigen Rekord von Kareem Abdul-Jabbar (38.387) längst pulverisiert. Inzwischen hält er mit 1.622 absolvierten Partien auch die Bestmarke in dieser Kategorie – und wird diese in der neuen Saison noch einmal ausbauen. Mehr noch: Der vierfache Meister mit vier verschiedenen Teams und dreifache Olympiasieger mit den USA verschwendet noch lange keine Gedanken an die Pension. James unterschrieb in Philadelphia gleich für zwei Jahre. Eine 25. Saison ist mehr als wahrscheinlich.
Für James ist der Wechsel nach Philadelphia aber nicht nur ein Szenenwechsel nach erfolgreichen Jahren in Cleveland, Miami und Los Angeles. Der 41-Jährige will seiner Vita einen weiteren NBA-Titel hinzufügen. „Ich bin nicht hier, um in der zweiten Runde auszuscheiden. Ich bin überzeugt, dass ich dazu beitragen kann, die 76ers zu einem Meisterteam zu machen“, sagte James vor dem mit Spannung erwarteten ersten Auftritt bei den Knicks.
Um dieses Ziel zu erreichen, steckte James finanziell ordentlich zurück. Eine vermeintlich leichte Übung nach 23 Jahren an der oberen Spitze der Salärnahrungskette. Im Vorjahr überwiesen die Los Angeles Lakers noch 52 Mio. Dollar (rund 46 Mio. Euro) auf das Konto des Superstars. Philadelphia muss „nur“ vier Mio. Dollar (rund 3,6 Mio. Euro) berappen. Damit gab James den 76ers die Möglichkeit, ein starkes Team rund um den Altstar aufzubauen.
Der Kader des Teams aus der „Stadt der brüderlichen Liebe“ erinnert ältere Semester und Afficionados der Netflix-Reihe „Last Dance“ an die Mannschaft der Chicago Bulls rund um Jordan Ende der 1990er Jahre. Neben den bewährten Stützen Tyrese Maxey und Joel Embiid wurde mit Jaylen Brown der wertvollste Spieler der Meistermannschaft der Boston Celtics 2024 nach Philadelphia gelotst.
Eine ähnliche Startruppe hatte James während seiner Zeit bei den Miami Heat zur Seite, als er das Team aus Florida gemeinsam mit Dwyane Wade und Chris Bosh 2012 und 2013 zum Titel führte. Mit den Lakers holte James unter Pandemiebedingungen 2020 seine bisher letzte Meisterschaft. Die wichtigste gewann er aber vier Jahre zuvor, als er in seiner zweiten Ära in Cleveland sein Heimteam zum langersehnten Premierentitel warf. „Dieser Titel hat mich zum größten Spieler aller Zeiten gemacht“, unterstrich er vor dem Saisonstart die Bedeutung des Coups von 2016.
Auf dem Weg zur fünften Meisterschaft mit seinem fünften Team muss James allerdings einige hohe Hürden überspringen. Vor allem im Westen sind einige Titelkandidaten daheim. Allen voran die eingespielte Truppe der Oklahoma City Thunder rund um Shai Gilgeous-Alexander. Dazu kommen Jungstar Victor Wembanyama und die San Antonio Spurs, die sich im Vorjahr erst im Finale den Knicks beugen mussten.
Im Osten sind neben dem Titelverteidiger aus dem „Big Apple“ bei den Buchmachern auch die Miami Heat ein heißer Tipp. Denn James’ Ex-Team verstärkte sich mit dem griechischen Superstar Giannis Antetokounmpo, der 2021 die Milwaukee Bucks zu Meisterehren führte. Aus österreichischer Sicht zählen aber auch Jakob Pöltl und seinen Toronto Raptors zu den gefährlichen Außenseitern. Denn die Kanadier holten Kawhi Leonard zurück über die Grenze – und damit einen wichtigen Teil der Meistermannschaft von 2019.
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