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Fynn Krammig aus Hainburg spielt seit einem Jahr im B-Junioren-Nationalteam der Kleinwüchsigen. Die Reise zur WM nach Australien müssen der 14-Jährige und seine Begleitung aus eigener Tasche bezahlen.
Klein-Krotzenburg – Während der Ball über den mit Flutlicht bestrahlten Kunstrasen der Klein-Krotzenburger Sportanlage am Triebweg rollt, liegt Fynn Krammig auf dem Boden. Nicht etwa mit schmerzverzerrtem Gesicht oder finsterer Miene. Völlig entspannt schaut er seinen Mannschaftskameraden des erst vor etwas mehr als einem halben Jahr gegründeten „Team Vielfalt“ der SG Germania beim Fußballtraining zu. Eine kürzlich vorgenommene Operation an beiden Knien zwingt den kleinwüchsigen 14‑Jährigen derzeit zum Pausieren.
„Es ist nichts Schlimmes. Er hat Klammern in den Knochen, damit die X-Beine verwachsen“, sagt Vater Thorsten, der die erste inklusive Fußball-Nachwuchsmannschaft im Offenbacher Ostkreis ins Leben gerufen hatte. „Die Fäden lösen sich innerhalb von zwei Wochen auf.“
Vom 11. bis 19. August 2027 finden an der australischen Gold Coast die 9. World Dwarf Games (WDG) statt. Die Spiele gelten als das weltweit größte internationale Multisport-Event für kleinwüchsige Menschen.
Auf dem Programm stehen die Disziplinen Fußball, Basketball, Leichtathletik, Boccia, Badminton, Schwimmen, Gewichtheben und Bogenschießen.
Da die insgesamt rund 50 Athleten und ihre Begleitung die Reise selbst finanzieren müssen, hat der Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien (BKMF) eine Crowdfunding-Aktion mit dem Namen „Fit für 2027 – Mission Titelverteidigung“ ins Leben gerufen.
Über die Website www.better place.org können Spenden abgegeben werden.
Dem absoluten Höhepunkt seiner noch jungen Fußballerkarriere scheint Fynn also nichts im Wege zu stehen. Im Sommer 2027 wird der Teenager voraussichtlich zu den World Dwarf Games, der „Weltmeisterschaft der Kleinwüchsigen“, nach Australien reisen. „Ich freue mich riesig darauf“, stellt er mit einem breiten Grinsen klar. „Wir wollen den WM-Titel holen.“ Zuletzt triumphierte die deutsche Mannschaft 2023 in Köln, nun soll dieses Kunststück wiederholt werden.
Dazu bedarf es allerdings noch finanzieller Unterstützung. Da der pro Person rund 6.000 Euro teure Trip nach Down Under weitgehend aus eigener Tasche finanziert werden muss, wurde eine Spendenaktion gestartet. „Wir würden uns über jede Hilfe freuen“, sagt Thorsten Krammig, der sich selbst für professionellere Strukturen engagiert, und dafür bereits Kontakt zu Funktionären des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) aufgenommen hat. „Vielleicht haben wir ja das Glück, dass der DFB uns tatsächlich unter seine Fittiche nimmt.“ Bislang sind die Athleten im Bundesverband Kleinwüchsiger Menschen und ihrer Familien (BKMF) organisiert.
Für Fynn Krammig wäre es jedenfalls das erste internationale Großturnier. Seit rund einem Jahr ist er Teil des B-Junioren-Nationalteams. „Es macht einen schon stolz, sein Land zu repräsentieren und seinen Namen auf dem Trikot zu haben“, berichtet der Hainburger. Auf die Frage nach seinem schönsten Moment als Fußballer muss er nicht lange überlegen. „Mein erstes Nationalmannschaftstor“, lautet die Antwort. Beim Lions-Cup in Köppern, wo sich die Bundesauswahl der Kleinwüchsigen jährlich mit inklusiven Fußballteams aus der gesamten Republik duelliert, zirkelte der Spieler mit der Rückennummer sechs einen Freistoß in die Maschen.
Ebenfalls mit strahlendem Gesicht denkt Fynn an die Erlebnisse in Herzogenaurach aus dem Jahr 2024 zurück. Erst durfte der glühende Manuel-Neuer- und Thomas-Müller-Fan dort mit seinem Team auf dem „heiligen Grün“ des Adi-Dassler-Stadions auflaufen, wo sonst nur die Stars ihr Können zeigen. Dann erfüllte die Wünschefee dem Achtklässler des Franziskaner-Gymnasiums in Großkrotzenburg noch einen weiteren Traum: einmal neben Bundestrainer Julian Nagelsmann auf der Bank Platz nehmen: „Da fühlt man sich wie bei den Großen.“
Die Torausbeute des jungen hessischen Goalgetters dringt bereits in derartige Sphären vor. „Besser als Kane“, scherzt Thorsten Krammig mit Blick auf die rund 40 Treffer, die sein Sohn in mittlerweile etwas mehr als 30 Einsätzen im Nationaldress erzielt hat. An diesem Abend bringt Fynn die Netze des Klein-Krotzenburger Sportgeländes allerdings nicht zum Wackeln.
Neun Kindern und Jugendlichen sieht er beim Training zu. Insgesamt gehören 14 bis 16 Spieler im Alter von 8 bis 24 Jahren dem „Team Vielfalt“ an. Einige haben keine Behinderung, andere wiederum bringen unterschiedliche körperliche oder geistige Voraussetzungen mit. Auch Jugendliche mit ADHS oder Down-Syndrom gehören dazu. Einen regulären Ligaspielbetrieb gibt es nicht, nur Freundschaftsduelle im 7‑gegen-7. „Es geht hier nicht ums Gewinnen“, betont Initiator und Organisator Thorsten Krammig. „Wir suchen immer noch Kinder, die einfach Spaß haben, zu kicken. Es sind alle herzlich willkommen.“
Nach Trainingsende blickt ein Teamkollege, der in einem nahe gelegenen Wohnheim lebt und regelmäßig zum Training kommt, auf sein Deutschland-Trikot und sagt: „Irgendwann möchte ich da auch mal mitspielen.“ Für Fynn Krammig ist dieser Traum längst Wirklichkeit geworden. Im Sommer 2027 könnte für ihn in Australien die Krönung folgen. (Louis Möldner)