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Foto: Ein Vize-Weltmeister unter Freunden: 17 von 18 Walking-Fußballern des SuS Reiste ließen es sich nicht nehmen, ihren Mannschaftskameraden Günter Dinkel nach seiner Rückkehr aus Australien zu feiern. Ein Empfang, der zeigt, was Sauerländer Vereinsleben ausmacht.
Manche Fußballgeschichten sind einfach zu schön, um sie nicht zu erzählen. Diese beginnt auf dem Sportplatz in Reiste, führt über die deutsche Nationalmannschaft bis ins australische Brisbane und endet dort, wo sie angefangen hat: bei guten Freunden, einem herzlichen Empfang und einer ordentlichen Portion Sauerländer Vereinsleben.
Mittendrin: Günter Dinkel, 76 Jahre jung, begeisterter Sportler, Mannschaftskamerad und seit wenigen Tagen Vize-Weltmeister im Fußball.
Eigentlich wollte Günter Dinkel nur wieder regelmäßig gegen den Ball treten. Im Mai 2025 hatte ihn sein Tenniskollege Andre Büsse zum Walking-Fußball beim SuS Reiste gebracht. Eine Sportart, bei der nicht gelaufen werden darf, der Ball aber trotzdem schnell und präzise gespielt werden muss. Was seine neuen Mannschaftskameraden damals vielleicht noch nicht ahnten: Mit Günter kam ein Mann auf den Platz, der das Fußballspielen von der Pike auf gelernt hatte.
Anfang der 1970er-Jahre spielte er für den RSV Meinerzhagen in der damaligen Verbandsliga Westfalen, seinerzeit die dritthöchste deutsche Spielklasse. 1982 gehörte er zur legendären Aufstiegsmannschaft des SV Schmallenberg, die den Sprung in die Verbandsliga schaffte. Und auch danach blieb Günter sportlich am Ball. Ob Golf oder Tennis – Bewegung und sportlicher Ehrgeiz gehören für ihn einfach zum Leben. Noch 2021 stieg er mit den Herren 70 des TC Rot-Weiß Kirchhundem in die Westfalenliga auf.
Beim Walking-Fußball in Reiste ist er mit seinen 76 Jahren zwar der Älteste, aber ganz sicher keiner, der sich verstecken muss. Seine Übersicht, seine Ballsicherheit und seine Fitness beeindrucken auch Mitspieler, die bis zu 20 Jahre jünger sind.
Dann nahm die Geschichte eine Wendung, die sich wohl selbst Günter nicht hätte träumen lassen. Im Juli 2026 kam die Anfrage für die Ü75-Auswahl Nordrhein-Westfalens – und zwar für den klassischen Fußball, bei dem wieder richtig gelaufen wird. Im August folgte die Berufung in den NRW-Kader, im September schließlich die Einladung zur deutschen Nationalmannschaft. Plötzlich war der Mann aus dem Sauerland Nationalspieler. Sogar der WDR berichtete über den außergewöhnlichen sportlichen Weg. Und im Oktober hieß es dann: Koffer packen, Fußballschuhe einstecken und auf nach Australien!
Vom 12. bis 16. Oktober 2026 wurde Brisbane zum Schauplatz der Senioren-Fußballweltmeisterschaft. Günter Dinkel gehörte zur deutschen Ü75-Auswahl „Germany white“. Wer nun glaubt, bei einer Weltmeisterschaft der über 75-Jährigen gehe es eher gemütlich zu, der täuscht sich gewaltig.
An vier Spieltagen standen jeweils morgens und nachmittags Begegnungen auf dem Programm. Gespielt wurde mit acht Akteuren einschließlich Torwart, zweimal 30 Minuten pro Partie. Ein anspruchsvolles Programm, das auch jüngeren Fußballern einiges abverlangen würde. Doch Günter und seine Mannschaftskameraden zeigten, was in ihnen steckt. Sechs Siege in sieben Spielen, unter anderem gegen Teams aus Wales, den USA und Australien, führten die deutsche Mannschaft bis ins Finale. Dort wartete ausgerechnet die zweite deutsche Auswahl, „Germany blue“. Am Ende hatte diese die Nase vorn.
Für Günter Dinkel blieb der großartige Erfolg: Vize-Weltmeister mit 76 Jahren! Und das alles aus echter Leidenschaft zum Sport. Rund 3.000 Euro Reisekosten trug jeder Spieler selbst. Der Deutsche Fußball-Bund stellte die offizielle Ausrüstung. Ein Erlebnis, das man nicht kaufen kann – auch wenn man für die Reise selbst bezahlen muss.
So beeindruckend die Tage in Australien auch gewesen sein mögen: Eine besonders schöne Überraschung wartete nach der Rückkehr in der sauerländischen Heimat. Die Walking-Fußballer des SuS Reiste hatten für ihren Nationalspieler einen Empfang organisiert. 17 von 18 Mannschaftskameraden waren gekommen, um Günter zu gratulieren und gemeinsam mit ihm diesen außergewöhnlichen Erfolg zu feiern. Eine bemerkenswerte Beteiligung. Und gewiss der schönste Beweis dafür, was einen guten Verein ausmacht. Denn Günter Dinkel ist beim SuS Reiste längst mehr als ein talentierter Fußballer. Er ist einer, der Gemeinschaft lebt und mitgestaltet.
Dass er bei den Walking-Fußballern die traditionelle Bock- und Bratwurst nach dem Training eingeführt hat, passt da wunderbar ins Bild. Schließlich gehört zur Sauerländer Fußballkultur nicht nur das Spiel auf dem Platz, sondern ebenso das Miteinander danach. Man könnte auch sagen: Die dritte Halbzeit ist in Reiste eine ziemlich wichtige Angelegenheit.
Die Geschichte von Günter Dinkel erzählt von sportlichem Ehrgeiz, von Fitness und davon, dass es für neue Herausforderungen nie zu spät ist. Vor allem aber erzählt sie etwas über das Sauerland. Über Menschen, die sich für etwas begeistern. Über Vereine, die Heimat und Zusammenhalt schaffen. Und über Freundschaften, die beim gemeinsamen Sport entstehen und weit darüber hinausreichen.
Günter Dinkel hat es mit 76 Jahren bis ins Nationaltrikot und zu einer Weltmeisterschaft nach Australien geschafft. Das Schönste an diesem Fußballmärchen ist vielleicht, dass dort gefeiert wurde, wo alles begann: bei seinen Mannschaftskameraden in Reiste.