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Der rote Ferrari, die prestigeträchtige Strecke in Monza, Valentino Rossi, Giacomo Agostini – Italien hat eine lange Liste an Legenden, die den Motorsport seit Jahrzehnten prägen. Jetzt kommt für das motorsportverrückte Land eine neue dazu: Andrea Kimi Antonelli.
Der unscheinbare 20-Jährige aus Bologna hat alle in seinen Bann gezogen und sorgt dafür, dass Italienerinnen und Italiener jubeln, auch wenn die Scuderia seit 2008 keinen Titel mehr gewinnt. Der letzte Fahrertitel liegt gar ein Jahr weiter zurück. Auf den Weltmeistertitel eines italienischen Fahrers in der Königsklasse des Motorsports mussten sie gar 73 Jahre (Alberto Ascari 1953) warten. Nun stellt Antonelli diese Statistik auf Null – und da könnte sie die nächsten Jahre bleiben.
Denn wer in seinem zweiten Jahr in der Formel 1 auf diese Art und Weise den Titel gewinnt, dem steht eine rosige Zukunft bevor. Bestes Beispiel dafür ist Lewis Hamilton. Der Brite wurde ebenfalls in seiner zweiten Saison Weltmeister, steht nun mit einer weiteren Legende dieses Sports, Michael Schumacher, bei sieben WM-Titeln. Dass Antonelli bei Mercedes Hamilton ersetzt hat, der wiederum seinen Sitz von Schumacher geerbt hat, ist schon fast das kitschige Skript eines Hollywood-Streifens.
Ob Antonelli denselben Legenden-Status erreicht wie seine beiden Vorgänger, wird sich zeigen. Das Zeug dazu hat er allemal. Das hat er nicht nur mit seinem Spektakel-Sieg bei seinem Heimrennen in Monza bewiesen, wo er als 19. startete und den Sieg einfuhr.
Ausgerechnet in Monza, wo er zwei Jahre zuvor bei der Verkündung seiner Anheuerung bei Mercedes in seinem allerersten Training auf der ganz grossen Bühne in die Mauer fuhr. Ein Jahr später wurde er an derselben Stelle von seinem Chef Toto Wolff nach schlechten Leistungen öffentlich kritisiert.
Antonelli hat eindrücklich davon gelernt. Die ganz groben Fehler sind ausgemerzt, die Geschwindigkeit, die Konstanz und der Kopf sind vorhanden. Seine Reife mit nur 20 Jahren ist zu beneiden.
Wolff hat seine Wette längst gewonnen. Er holte den damals 12-jährigen Andrea Kimi in die Mercedes-Academy, um ihn zum nächsten grossen Star zu formen. Bei Ferrari stellte sich die Familie Antonelli ebenfalls vor, wurde aber wegen des jungen Alters und der kleinen Statur des damaligen Kart-Fahrers abgewiesen.
Das geschenkte Vertrauen von Wolff, der Antonelli gleich in den Mercedes setzte, ohne Lehrjahre bei einem schwächeren Team, wo die Erwartungen deutlich tiefer sind, zahlt der 20-Jährige nun mit dem Weltmeistertitel zurück. Einen zukünftigen Wechsel zum italienischen Rennstall schliesst Antonelli nicht aus, so schnell wird Wolff seinen Goldjungen allerdings nicht loswerden wollen.
Der «Kleine» ist jetzt ganz gross – und wird in den nächsten Jahren weiter dafür sorgen, dass die Tifosi jubeln, auch wenn Ferrari nicht gewinnt.