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Alexander Zverev: „Ich bin kein Roboter, ich bin ein Mensch“
Das Turnier in Shanghai war für Alexander Zverev im Halbfinale gegen den Spanier Alejandro Davidovich Fokina vorbei.
Das Turnier in Shanghai war für Alexander Zverev im Halbfinale gegen den Spanier Alejandro Davidovich Fokina vorbei.Tyrone Siu/Reuters

Die letzte Aktion war bezeichnend. Alejandro Davidovich Fokina schlug auf, der Ball kam schnell angeflogen, doch es wäre trotzdem genügend Zeit für einen sicheren Rückschlag ins Feld gewesen. Alexander Zverev machte den nötigen Schritt aber zu spät. So traf er den Ball nur mit dem Schlägerrahmen. Das Match war vorbei. „Ich bin kein Roboter, ich bin ein Mensch – ich werde auch müde“, bekannte Zverev nach seiner 7:5, 4:6, 3:6-Niederlage im Halbfinale des ATP-Masters-Turniers in Shanghai gegen den Weltranglisten-26. aus Spanien, einen kräftigen, kompakt spielenden Gegner.

In der Pressekonferenz lächelte Zverev trotzdem, wie im Online-Stream zu sehen war: „Nach den US Open hatte ich insgesamt nur einen einzigen freien Tag. Ich habe sehr viel Tennis gespielt, was sehr, sehr positiv ist, denn das bedeutet ja, dass ich gut gespielt habe.“ Wahrscheinlich hatte Deutschlands bester Tennisprofi, der bald offiziell der beste Spieler der Welt sein wird, noch nie so entspannt verloren wie am Samstag in China.

Tennis

:Der Weg für Zverev zur Nummer eins ist frei

Da Jannik Sinner die Saison vorzeitig beendet, kann Alexander Zverev als erster Deutscher seit Boris Becker die Führung der Weltrangliste übernehmen. Nur wenige Punkte fehlen noch.

Alexander Zverev, in Hamburg geboren, in Monte-Carlo sesshaft, steckt in einer wahren Luxussituation, die er sich nach der erfolgreichsten Saison seiner Karriere erarbeitet hat: Der 29-Jährige muss nichts anderes mehr tun, als abzuwarten, und doch folgt süßer Lohn. Spätestens nach den ATP-Finals in Turin Mitte November wird er die neue Nummer eins der Weltrangliste sein. So sind die Tage für den Deutschen jetzt schon geprägt vom Gefühl der Vorfreude: „Im Moment bin ich – kurioserweise – immer noch die Nummer zwei der Welt“, sagte er in Shanghai. „Dass ich mir den Platz als Nummer eins zum Jahresende gesichert habe, liegt natürlich auch daran, dass Jannik – leider – ausfällt. Aber ja, ich denke, sobald es so weit ist, wird es ein besonderer Moment für mich sein.“

Beim Masters in Paris könnte Zverev bereits die Nummer eins werden

Der Italiener Jannik Sinner hatte kürzlich seine Saison für beendet erklärt, er laboriert seit seinem Wimbledonsieg im Juli an einer Knieverletzung und hat seitdem keine Partie mehr bestritten. Zverev hatte, nachdem er im Juni bei den French Open zum ersten Mal ein Grand-Slam-Turnier gewonnen hatte, mit dem Triumph bei den US Open gleich einen zweiten großen Titel folgen lassen.

Zverev hat seinen Aufstieg vor allem seiner Konstanz auf dem Platz und seiner Fitness zu verdanken. Kein Profi spielte 2026 so viel wie er. Allerdings haben 78 Matches, von denen er 62 gewann, ihre Spuren hinterlassen. „Ich hatte mit einer kleinen Verletzung zu kämpfen und bin zudem erschöpft in das Turnier gegangen – da ist es für mich in Ordnung, heute gegen einen solchen Spieler zu verlieren“, sagte Zverev und zeigte Milde sich selbst gegenüber: „Ich habe das Gefühl, dass ich diese Woche – in gewisser Weise – vielleicht sogar mehr erreicht habe, als zu erwarten war, weil ich so viel Tennis gespielt habe.“

Im Duell mit Davidovich Fokina kam er sichtbar nicht an seine beste Form heran: „Schon im ersten Satz – obwohl ich ihn gewonnen habe – wirkte ich etwas kraftlos und habe nicht so gut reagiert.“ Insbesondere wenn Davidovich Fokina den Ball beim Aufschlag von der Einstand-Seite nach außen servierte, hatte Zverev größte Mühe, was er auch zugab: „Ich wusste, dass er dorthin aufschlägt, aber der Return ist der schwierigste Schlag, wenn man etwas ermüdet ist. Denn ich glaube, beim Tennis sind die Augen das Erste, was müde wird.“ Zverev hatte schon im Achtelfinale gegen den Kasachen Alexander Bublik körperliche Probleme, der Knöchel machte ihm seit einem Ausrutscher zu Beginn des Turniers zu schaffen. Aussteigen wollte er nicht. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie ein Tennismatch vorzeitig abgebrochen – außer bei den French Open 2022, als ich wirklich nicht mehr laufen konnte. Das möchte ich auch so beibehalten. Ich will nicht ohne triftigen Grund aufgeben.“

Zverev wird nun pausieren, wobei ihm zupasskommt, dass ein geplanter Einsatz in dieser Woche in Riad verschoben wurde. Nach den Angriffen der jemenitischen Huthi-Miliz auf Saudi-Arabien wurde der Six Kings Slam, ein millionenschweres Einladungsturnier, auf Ende Dezember verlegt. Beim ATP-Turnier in Wien (ab 26. Oktober) ist Zverev noch gemeldet. Er betonte indes: „Ich denke, eine Pause ist jetzt dringend notwendig.“ Selbst wenn er in Österreich antreten und siegen würde, würde er noch nicht Weltranglisten-Erster werden. Dies wäre aber danach beim Masters-Turnier in Paris-Bercy möglich.

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