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Der Wechselfehler des DSV Leoben, durch den der hart erkämpfte 3:2-Erfolg gegen den FC Kindberg vorerst in eine 0:3-Niederlage umgewandelt wurde, sorgt derzeit für Gesprächsstoff. Die Donawitzer haben gegen das erstinstanzliche Urteil bereits Protest angekündigt. Alle Einzelheiten zum aktuellen Fall gibt es im bereits veröffentlichten Ligaportal-Bericht. Klicke hier!
Ein Blick in die Fußballgeschichte zeigt allerdings: Selbst den bekanntesten und erfolgreichsten Trainern sind bereits folgenschwere Fehler bei einem Wechsel unterlaufen. Eines der prominentesten Beispiele ist untrennbar mit dem 2024 verstorbenen deutschen Spitzentrainer Christoph Daum verbunden.
Am 30. September 1992 gastierte der amtierende deutsche Meister VfB Stuttgart im Europapokal bei Leeds United. Das Hinspiel hatten die Schwaben vor 38.000 Zuschauern im heimischen Neckarstadion mit 3:0 gewonnen. Die Ausgangslage vor dem Rückspiel war damit ausgezeichnet. In Leeds geriet die Mannschaft von Christoph Daum allerdings gehörig unter Druck. Gary Speed brachte die Engländer in Führung, ehe Andreas Buck für Stuttgart ausglich. Noch vor der Pause stellte Gary McAllister per Elfmeter auf 2:1. Nach dem Seitenwechsel trafen auch Eric Cantona und Lee Chapman – plötzlich führte Leeds mit 4:1.
Trotz dieser Niederlage wäre der VfB aufgrund des Auswärtstores in die nächste Runde eingezogen. Stuttgart musste das 1:4 lediglich über die verbleibenden Minuten bringen. In dieser hektischen Schlussphase traf Daum jedoch eine Entscheidung, die als einer der bekanntesten Wechselfehler in die europäische Fußballgeschichte eingehen sollte.
In der 80. Minute wechselte Daum den Schweizer Adrian Knup ein. Drei Minuten später brachte er mit Jovica Simanić einen weiteren kopfballstarken Spieler, um sich gegen die hohen Bälle der Engländer zu verteidigen. Was der Trainer und offenbar auch seine Mitarbeiter in diesem Moment übersahen: Mit Slobodan Dubajić, Eyjólfur Sverrisson und Knup standen bereits drei ausländische Spieler für Stuttgart auf dem Feld. Durch die Einwechslung des Jugoslawen Simanić waren es plötzlich vier.
Nach den damaligen UEFA-Bestimmungen durften jedoch nur drei ausländische Spieler gleichzeitig eingesetzt werden. Ausgerechnet in den entscheidenden Minuten eines der wichtigsten Spiele seiner Stuttgarter Amtszeit hatte sich Daum bei den Ausländern verzählt.
Sportlich brachte der VfB das 1:4 über die Zeit und glaubte zunächst, aufgrund der Auswärtstorregel aufgestiegen zu sein. Doch der Jubel hielt nicht lange.
Die UEFA wertete die Begegnung aufgrund des nicht spielberechtigten vierten ausländischen Spielers mit 3:0 für Leeds. Weil Stuttgart das Hinspiel ebenfalls mit 3:0 gewonnen hatte, stand es nach beiden Begegnungen unentschieden.
Statt des vermeintlich geschafften Aufstiegs musste der VfB daher zu einem zusätzlichen Entscheidungsspiel antreten. Dieses wurde am 9. Oktober 1992 auf neutralem Boden im Camp Nou in Barcelona ausgetragen. Gordon Strachan brachte Leeds in Führung, André Golke gelang noch vor der Pause der Ausgleich. In der 77. Minute erzielte Carl Shutt das entscheidende Tor zum 2:1 für die Engländer. Stuttgart war ausgeschieden – und aus einer einzigen Einwechslung war eine der bittersten Europapokalgeschichten des Vereins geworden.
Christoph Daum gehörte über Jahrzehnte zu den bekanntesten Trainern des deutschsprachigen Fußballs. Er wurde mit Stuttgart deutscher Meister, feierte auch international große Erfolge und betreute mehrere Spitzenvereine, auch die Wiener Austria. Dennoch blieb die Panne von Leeds dauerhaft mit seiner Karriere verbunden.
Der aktuelle Leobener Fall ist regeltechnisch anders gelagert. Beim DSV geht es um die erlaubte Anzahl der Wechselunterbrechungen, beim VfB Stuttgart stand 1992 ein vierter ausländischer Spieler auf dem Platz. Die bittere Gemeinsamkeit ist jedoch offensichtlich: Beide Mannschaften glaubten, ihr sportliches Ziel erreicht zu haben – ehe ein Fehler rund um einen Wechsel alles veränderte.
Wie der angekündigte Protest des DSV Leoben ausgeht, bleibt abzuwarten. Die Geschichte von Christoph Daum und dem VfB Stuttgart zeigt jedenfalls eindrucksvoll, dass in der Hektik eines Fußballspiels selbst einem absoluten Spitzentrainer ein folgenschwerer Wechselfehler passieren kann.