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Vor dem Sprintrennen unter Flutlicht in Lusail lag ein großer Schlagabtausch mit den Aprilia-Piloten in der Luft. Marc Marquez reiste mit 44 Punkten Vorsprung auf Jorge Martin und 67 Zählern auf Marco Bezzecchi nach Katar. Würde der Ducati-Werksfahrer im Sprint mindestens fünf Punkte mehr als Martin holen, hätte er am Sonntag den ersten Matchball. Im Qualifying sicherte sich Marquez Startplatz 2 neben Bezzecchi, der seine sechste Saison-Pole holte. Martin, zwei Wochen nach seinem Handgelenksbruch auf Phillip Island noch geschwächt, startete nur von Rang 11.
Der Start gehörte Bezzecchi. Der Aprilia-Pilot kam perfekt vom Startplatz weg und schnitt Marquez in Kurve 1 den Weg ab. Die Folge: Marquez beschleunigte nicht optimal aus der ersten Kurve, und sein Teamkollege Francesco Bagnaia schnappte sich kurzzeitig Position 2, nur damit Marquez sich prompt wieder vor den Italiener setzen konnte. Diese anfänglichen Zweikämpfe nutzte Bezzecchi optimal aus und schaffte es, sich ein paar Motorradlängen Vorsprung zu erarbeiten.
In Runde 2 folgte der Schockmoment: Fermin Aldeguer kam viel zu schnell in die Zielkurve und räumte Francesco Bagnaia ab, der sich mehrfach im Kiesbett überschlug – rote Flaggen. Bagnaia wurde bei Bewusstsein mit dem Krankenwagen abtransportiert, Aldeguer kassierte eine Double-Long-Lap-Penalty.
Beim Neustart über zehn Runden mit unveränderter Startaufstellung drehte Marquez den Spieß um, kam deutlich besser weg als Bezzecchi und führte ab Kurve 2. Bezzecchi stach in Runde 2 in Kurve 15 innen hinein, musste aber eine weite Linie fahren – Marquez konterte sofort.
Zur Rennhalbzeit eskalierte das Duell. Marquez bremste etwas zu spät in Kurve 1 hinein und fuhr eine weitere Linie, Bezzecchi witterte die Lücke innen. Als der Weltmeister auf die Ideallinie zurückkehrte, kam es zur Berührung. Bezzecchi stürzte, Marquez blieb im Sattel. Die Stewards werteten die Szene als Rennunfall, Aprilia-CEO Massimo Rivola quittierte das mit sarkastischem Applaus. Marquez: «Ich war hochkonzentriert und habe mich bestmöglich verteidigt.»
Der furios fahrende Jorge Martin nutzte den Moment und ging kurzzeitig in Führung. «Als ich den Aufprall hatte in Kurve 1, wurde mein Airbag ausgelöst», erklärte Marquez. «Deshalb hat mich Jorge attackiert, weil es etwas dauert, bis wieder alles normal ist.» Der 33-Jährige holte sich die Führung zurück und siegte mit knapp einer Sekunde Vorsprung auf Fabio Di Giannantonio, der Martin in der letzten Runde noch abfing. «Als ich eine Lücke von einer halben Sekunde hatte, habe ich versucht, das Rennen zu kontrollieren.» Die ersten Gedanken nach dem Rennen galten seinem Teamkollegen: «Wir hoffen, dass es Pecco gut geht, denn es war ein übler Sturz.»
Mit seinem 25. Sprintsieg baute Marquez den eigenen Rekord aus. In der WM führt er nun mit 411 Punkten, 49 Zähler vor Martin. Da danach nur noch Portimao und Valencia mit je 37 Punkten anstehen, braucht er nach dem Katar-GP 74 Punkte Vorsprung. Gewinnt Marquez am Sonntag und bleibt Martin ohne Punkte, ist der 33-Jährige zum achten Mal MotoGP-Weltmeister. Bezzecchi hat bei 79 Punkten Rückstand nur noch theoretische Chancen – wird Marquez am Sonntag mindestens Zweiter, sind auch diese erloschen.