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Zwei große Namen im deutschen Fußball, im westdeutschen ganz besonders – doch am Sonntag ist es dennoch eine Premiere, die der MSV Duisburg und der FC Schalke 04 erleben. Zum ersten Mal werden die beiden ersten Mannschaften beider Vereine in einem Meisterschaftsspiel bei den Frauen aufeinandertreffen. Schauplatz: das traditionsreiche Parkstadion in Gelsenkirchen, nach dem Umzug der Männer-in die benachbarte Arena größtenteils abgerissen und als neue Spielstätte mit Kapazität für bis zu 3000 Zuschauerinnen und Zuschauer wiedereröffnet. Dort erfolgt um 15 Uhr der Anpfiff zum Ruhr-Derby, das gleichzeitig ein Duell zweier Top-Teams der Regionalliga ist.
Ganz ohne Tradition ist das Duell Schalke – Duisburg nicht. Schon zwischen 1975 und 1987 existierte bei den Königsblauen eine Frauen-Abteilung, die im damals noch nicht bundesweiten Spielbetrieb mitmischte und sich als Westfalenmeister dreimal für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifizierte. Ab 1985 trat S04 dann in der neu gegründeten Regionalliga West und damit auch gegen den KBC Duisburg an. Im Gegensatz zu den Kaßlerfelderinnen, die in Deutschland damals zu den Spitzenteams zählten, hielt Schalke mit der Entwicklung nicht Schritt und zog sich 1987 komplett zurück. Erst 2020 folgte der Neustart in der Kreisliga, von wo es wie beim Nachbarn Borussia Dortmund in großem Tempo nach oben ging.
Ich habe jeder Spielerin in die Augen gesehen und ihr gesagt, dass ich mich voll auf sie verlassen können muss.
Tarek Ruhman, MSV-Trainer
Nun also: Treffen in der Drittklassigkeit. Das Ziel auf beiden Seiten ist auch eindeutig: Das darf es in der nächsten Saison gern wieder geben. Dann geht nämlich die neue 3. Liga bei den Frauen an den Start, für die es sich aktuell zu qualifizieren gilt. Platz eins und damit der Aufstieg in die 2. Bundesliga, da macht sich niemand Illusionen, ist an den BVB vergeben. Alexandra Popp & Co. sind mit elf Siegen aus elf Spielen bei 53:0 Toren schon weit enteilt. Dahinter geht es um die Ränge, die die sichere Teilnahme an der 3. Liga versprechen. In der dreigleisigen Spielklasse sind acht Plätze für den Westdeutschen Fußballverband vorgesehen, wobei dazu auch eventuelle Absteiger aus der 2. Bundesliga zählen. Nach jetzigem Stand ist eine Position für die Zweitvertretung des 1. FC Köln reserviert, die mit erst zwei Punkten Tabellenschlusslicht ist. Positiv aber für die hiesigen Aspiranten: Die restlichen NRW-Vertreter Borussia Mönchengladbach, VfL Bochum und SGS Essen sind derzeit weit von der Abstiegsregion entfernt. Das heißt: Es würde momentan auch Rang sieben für die Qualifikation reichen.
„Wir wollen uns für die 3. Liga qualifizieren, das ist unser Ziel“, sagt Tarek Ruhman, Trainer und Abteilungsleiter der MSV-Frauen, die als Aufsteiger aus der Niederrheinliga derzeit genau dort stehen, wo überhaupt kein Zweifel möglich ist, in irgendeiner Konstellation zu scheitern: dem fünften Platz. Es könnte noch ein bisschen freundlicher aussehen, wenn es im jüngsten Spiel vor der Allerheiligen-Pause nicht diese ärgerliche 0:2-Heimniederlage gegen Fortuna Köln gegeben hätte. „Alles gut, wir haben die Fehler, die wir gemacht haben, im Training aufgearbeitet“, versichert Tarek Ruhman, der ansonsten nicht mehr nach hinten, sondern nach vorn schauen will.
Vorn, das heißt Schalke. Er weiß: Für eine Reihe seiner Spielerinnen ist das ein besonderes Duell. Das hat weniger mit dem Namen des aktuellen Gegners, sondern mit einer gemeinsamen Vergangenheit zahlreicher Akteurinnen. Der MSV setzte beim Neustart in der Niederrheinliga im Sommer 2025 auf eine Reihe von Ex-Stammkräften des damaligen Zweitliga-Aufsteigers VfR Warbeyen, die dort nicht mehr erwünscht waren, darunter Zara und Chloé Rickes oder Anna und Sophie Schneider. Mehrere andere Ex-Warbeyenerinnen zog es dagegen nach Gelsenkirchen, zum Beispiel Pauline Dallmann, Sarah Grünheid oder Lea Wilting. Da wird es nun ein Wiedersehen unter Ex-Teamkolleginnen, auch Freundinnen geben. „Wir dürfen uns auf dem Platz keine Befindlichkeiten erlauben. Ich habe jeder Spielerin in die Augen gesehen und ihr gesagt, dass ich mich voll auf sie verlassen können muss“, so Tarek Ruhman.
Das gilt freilich nicht nur für dieses eine Spiel. Der Kalender bis zum Jahreswechsel hat es für den MSV in sich. Tatsächlich geht es noch genau gegen jene fünf Teams, die rund um den MSV die Plätze zwei bis sieben belegen, also direkte Konkurrentinnen sind. Nach dem Schalke-Match warten der 1. FFC Recklinghausen, Bayer Leverkusens U23, der VfR Warbeyen und Arminia Bielefeld. Zwischen den zweitplatzierten S04-Frauen und Bielefeld auf Rang sieben liegen gerade einmal drei Punkte, da kann jede Runde eine Verwerfung bringen.
Da kommt es gelegen, dass der Kader bei den Zebras so groß wie lange nicht ist. Die schönste Nachricht: Edina Habibovic, in der Niederrheinliga mit 18 Toren in 13 Spielen Top-Schützin, ist nach einem halben Jahr Zwangspause wegen einer Knieverletzung endlich wieder dabei. Sie saß schon gegen Köln auf der Bank, wurde aber noch nicht eingewechselt und nutzte die folgenden zwei Wochen, um vollauf fit zu werden. Auch Ex-Bundesligaspielerin Emma Hilbrands meldete sich nach Verletzungsausfall zurück. Außerdem ist die aus dem Schalker Nachwuchs gekommene Vada Webbeler erstmals spielberechtigt, überdies steht mit Liv Stahl (ebenfalls bei Schalke ausgebildet) nun eine neue Keeperin im Kader, die die knappe Besetzung auf dieser Position lindert. Tarek Ruhman wird sich also bis Sonntag noch einige Gedanken machen können, wen er im Parkstadion aufs Feld schickt.