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So ruhig der Freitag verlief, so dramatisch wurde es in der MotoGP am Samstag. Nachdem ein übler Abflug von Francesco Bagnaia für eine frühe Unterbrechung im Sprint gesorgt hatte, kam es infolge des Restarts zum direkten Duell der Titelrivalen. Marc Marquez führte, Marco Bezzecchi drückte mit scheinbar überlegener Pace von hinten. Ein Überholmanöver schien unausweichlich, doch zu Beginn von Runde vier dann das Desaster aus Aprilia-Sicht.
Nachdem Bezzecchi auf der Start-Ziel-Geraden kurzzeitig für einen potenziellen Überholversuch rechts hinter Marquez ausgeschert war, ging dieser in Kurve eins minimal weit. Bezzecchi, der eine deutlich engere Linie gehalten hatte, sah eine Lücke und versuchte, auf der Innenbahn durchzustehen. Doch Marquez zog zeitgleich zurück auf die Ideallinie. Es kam zur Berührung der beiden WM-Gegner und Bezzecchi ging zu Boden. Null Punkte für ihn, während Marquez in weiterer Folge zu seinem zehnten Sprintsieg in der laufenden Saison raste. Seht hier selbst:
Wenig verwunderlich war die Kollision der beiden Titelanwärter am Samstagabend natürlich Gesprächsthema Nummer eins in der MotoGP-Welt. Dass man bei Aprilia sauer auf Marquez war, konnte man schnell erkennen. Schon wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall war Teammanager Paolo Bonora im offiziellen Livestream der MotoGP mit fassungslosem Gesichtsaudruck zu sehen. Als dann die Entscheidung der Stewards auf einen Rennunfall verkündet wurde, reagierte auch Racing-CEO Massimo Rivola sichtlich aufgebracht. Seinen Lippen war ein sarkastisches "Nooo" zu entnehmen.
Reaktionen, die Marc Marquez am Samstagabend nicht nachvollziehen konnte. Gegenüber Streamingdienst 'DAZN' erklärte er: "Ich war ziemlich überrascht, ihn da zu treffen, weil ich nichts Verrücktes gemacht habe. Ich bin meine Linie gefahren, wie jede Runde zuvor auch. Du bremst, gehst etwas weit und kommst zurück." Tatsächlich ist in der Vogelperspektive zu erkennen, dass der Ducati-Pilot in Kurve eins nicht auffällig weiter nach außen ging als in den Runden zuvor oder danach. Fabio Di Giannantonio und Jorge Martin dahinter sind auf der gleichen Linie unterwegs. Es ist Bezzecchi, der mit seiner äußerst engen Linie heraussticht. Er fährt nur knapp neben den Kerbs, weshalb die Entscheidung der Stewards gegen eine Strafe für Marquez letztlich wohl auch nachvollziehbar ist.
Bezzecchi wiederum sah das naturgemäß anders. Der 27-Jährige aus Rimini meinte zwar, sich nicht über den Zwischenfall echauffieren zu wollen, weil das "verschwendete Energie" sei, aber sein Ärger war in seiner Medienrunde dennoch schwer zu überhören. "Ich kann euch nichts sagen, was ihr nicht ohnehin schon in den Livebildern gesehen habt. Ich habe versucht, meine Linie zu fahren. Ich war auf der Innenseite und eine Sekunde später lag ich auf dem Boden", kommentierte er frustriert und ließ damit durchklingen, dass er die Schuld für die Berührung klar bei Marquez sah.
"Lass die Leute reden, wenn sie reden wollen", entgegnete Marquez daraufhin wieder und unterstrich nochmal: "Für mich ist recht klar, was passiert ist. Wenn du dir die Bilder aus dem Helikopter ansiehst, dann siehst du, dass meine Linie in Kurve eins genau die gleiche war wie in der Runde zuvor. Ich gehe leicht weit und schließe die Linie dann wieder. So, wie ich es immer tue." Anschließend dann eine Aussage, die bei Bezzecchi nicht gut ankommen sollte: "Es ist ein unterschiedlicher Unfall, aber mit einer Ähnlichkeit zu Indonesien."
Indonesien? Dort waren Marquez und Bezzecchi im Vorjahr schon einmal kollidiert. Auch dort wollte Bezzecchi zu Beginn des Rennen auf der Innenbahn an Marquez vorbei, berührte ihn jedoch und riss seinerzeit beide Piloten zu Boden. "Bezzecchi ist uns in der Startphase mehrere Schritte voraus und realisiert nicht, dass die anderen da langsamer sind. Oder anders gesagt: Es ist nicht so, dass wir langsam sind, aber er ist viel schneller", kritisierte Marquez nun. Bezzecchi käme zu Beginn eines Rennens also deutlich schneller auf Touren und verfüge über deutlich mehr Pace als seine Konkurrenten, würde deren Pace aber nicht korrekt einschätzen und bei Überholversuchen dann mit dem Kopf durch die Wand wollen, so sein Vorwurf. "Das ist kein fairer Vergleich", entgegnete Bezzecchi daraufhin angesäuert und meinte: "Das war ein völlig verschiedener Zwischenfall. Ich respektiere, was er sagt, aber ich stimme da nicht zu. Das war komplett unterschiedlich."
Wie habt ihr den Zwischenfall im Sprint erlebt? Wen seht ihr im Recht? Sagt es uns in den Kommentaren!
Zumindest in einem Punkt konnten sich Marquez und Bezzecchi am Samstagabend dann aber doch noch einigen. Und zwar darin, dass Letzterer eine große Chance ausgelassen hatte. "Das Rennen war richtig gut bis zu diesem Zeitpunkt. Ich weiß nicht, ob ich gewonnen hätte, aber ich hätte ganz sicher um den Sieg gekämpft", bilanzierte Bezzecchi ernüchtert und erhielt dabei volle Zustimmung von Marquez. "Marco war heute viel schneller als ich", gestand dieser. Und weiter: "Wenn nichts Verrücktes passiert, wird er morgen gewinnen." Sieg im Grand Prix nach Sturz im Sprint? Es wäre wahrlich nicht das erste Mal in der laufenden Saison - und es ist auch das erklärte Ziel von Bezzecchi: "Ich will zurückschlagen und versuchen, das Maximum mitzunehmen."