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Sechs Spiele, sechs Niederlagen und bereits 20 Gegentore! Borussia Mönchengladbach steckt nach dem 1:2 gegen die TSG Hoffenheim tiefer denn je in der Krise. Die erschreckende Vorstellung der Fohlen sorgt auch bei Vereinslegende Ewald Lienen für Fassungslosigkeit. Der ehemalige Gladbacher Spieler und Trainer geht mit der Mannschaft hart ins Gericht und nimmt gleich mehrere Profis ins Visier.
"Das hat wehgetan, sich das anzuschauen", sagte Lienen im Podcast 'Der Sechzehner', den er gemeinsam mit DAZN-Kommentator Michael Born betreibt. Besonders die fehlende defensive Ordnung machte den 72-Jährigen sprachlos.
"Ich habe mir das hinterher nochmal 20 Minuten angeguckt. Du konntest das zehn Mal anhalten, du hast immer gesehen: keine Kompaktheit, kein Zugriff, strategisches Untergewicht in vielen Positionen", kritisierte Lienen. Eine grundlegende Verbesserung sei auch für den neuen Trainer Alexander Blessin nicht kurzfristig zu erreichen: "Das ist eine langfristige Geschichte."
Besonders deutlich wurde der frühere Bundesliga-Trainer bei seiner Analyse des ersten Gegentors durch Hoffenheims Bambasé Conté. Dabei bemängelte Lienen vor allem das Defensivverhalten von Florian Neuhaus, der gemeinsam mit Zento Uno im zentralen Mittelfeld aufgeboten worden war.
"Uno hat vor der Abwehr gespielt mit Neuhaus, der hat dann immer versucht, überall die Löcher zu stopfen. Und Florian Neuhaus war da nicht zu sehen", schimpfte Lienen. Beim Führungstreffer der Gäste habe Neuhaus überhaupt nicht wahrgenommen, dass Conté in seinem Rücken in den Strafraum gelaufen war. "Der guckt einfach nur zu."
Mit dieser Einschätzung steht Lienen nicht allein da, die Meinungen zu Neuhaus Leistung sind jedoch durchaus geteilt. In der Einzelkritik von TORfabrik erhielt Neuhaus für seinen Auftritt gegen Hoffenheim die Note 5,0. Das Gladbacher Fachmagazin bezeichnete den 29-Jährigen auf der Doppelsechs als Fehlbesetzung. Der kicker vergab dagegen immerhin die Note 4,0, GladbachLive gar eine 3,5. Immerhin hatte der ehemalige Nationalspieler mit seiner Vorlage zum zwischenzeitlichen 1:1 durch Wael Mohya auch einen positiven Anteil am Gladbacher Offensivspiel.
Doch Neuhaus war längst nicht der einzige Spieler, der Lienen negativ auffiel. Auch der erst 21-jährige Fabio Chiarodia bekam scharfe Kritik zu hören.
"Chiarodia, der weiß gar nicht, was er machen soll", wetterte Lienen. Der Innenverteidiger stehe irgendwo im Raum, attackiere niemanden und laufe orientierungslos herum. Podcast-Partner Born mahnte allerdings, die Verantwortung nicht allein bei dem jungen Verteidiger zu suchen.
Beim zweiten Gegentreffer sah Lienen neben Chiarodia indes auch Joe Scally in der Verantwortung. Der US-Amerikaner habe im eigenen Strafraum mit einer missglückten Grätsche versucht, den Ball zu klären, statt den Gegenspieler konsequent zu stellen. "Diese taktischen Fehler sehe ich von ihm immer und immer wieder", sagte Lienen.
Besonders erschreckend fand Lienen schließlich das Auftreten der Borussia in der Schlussphase. Nach den Einwechslungen habe es ausgesehen "wie eine Schülermannschaft, die gegen eine Männertruppe antreten musste". Auch das große Verletzungspech der Gladbacher könne die zahlreichen Fehler aus Lienens Sicht nicht entschuldigen. Die fehlende Organisation und das individuelle Fehlverhalten zögen sich durch nahezu jede gegnerische Torchance.
"Das ist schwer und das tut wirklich weh, das so zu sehen in der Gesamtheit", resümierte Lienen. Die Lage könnte für Gladbach kaum bedrohlicher sein. Am kommenden Freitag wartet auswärts beim VfB Stuttgart die nächste schwierige Aufgabe. Bei einer weiteren Niederlage würden die Fohlen mit sieben Pleiten zum Saisonstart einen neuen Bundesliga-Negativrekord aufstellen.