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Stan Wawrinkas letzte Jahre auf der Tour erzählen nur einen Teil seiner Geschichte. Der Schweizer fiel in der Weltrangliste zurück und spielte sogar Challenger-Turniere. Wer seine Karriere danach beurteilt, übersieht jedoch die Erfolge, mit denen er sich gegen einige der größten Namen des Tennis behauptete.
Nach mehr als zwei Jahrzehnten als Profi verabschiedete sich der 41-Jährige vergangene Woche bei den Basel Open emotional vom Tennissport. Der achtmalige Grand-Slam-Sieger Jimmy Connors nutzt diesen Moment, um eine Frage aufzuwerfen: Bekommt Wawrinka genügend Anerkennung für seine Leistungen?
Wawrinka gewann drei Grand-Slam-Titel. Auf dem Weg zu diesen Triumphen bezwang er Rafael Nadal sowie zweimal Novak Djokovic. Diese Gegner machen deutlich, weshalb sich seine Bilanz nicht allein anhand der Titelzahl bewerten lässt. Seine größten Erfolge gelangen ihm gegen Spieler, die das Spitzentennis über Jahre prägten.
Connors sagte im Podcast „Advantage Connors“: „Wir vergessen, dass er dreimaliger Grand-Slam-Sieger ist und wen er besiegt hat, um diese Titel zu gewinnen. Er schlug die Besten.“ Wawrinka stand zudem lange im Schatten seines Landsmanns Roger Federer. Seine Siege gaben seiner Laufbahn dennoch eine eigenständige Bedeutung.
Ein weiterer Grund für Connors' Wertschätzung liegt in Wawrinkas Spielweise. Während die beidhändige Rückhand verbreitet war, setzte der Schweizer auf eine einhändige Topspin-Rückhand. Er verband kraftvolle Schläge mit der Fähigkeit, sein Spiel zu variieren.
„Es machte Spaß, ihm zuzusehen. Man wusste nie, was er als Nächstes tun würde“, erinnerte sich Connors.
Diese Kombination machte Wawrinka auch unabhängig von seinen Titeln bemerkenswert. Sein Stil unterschied ihn von vielen Konkurrenten. Gegen die dominierenden Spieler seiner Generation konnte er dadurch nicht nur mithalten, sondern auf höchstem Niveau gewinnen.
Seit seinem Profidebüt 2002 sammelte Wawrinka 590 Tour-Siege und 16 Titel. Dass seine Ergebnisse zum Karriereende nicht mehr an frühere Erfolge heranreichten, verändert diese Bilanz nicht.
Connors spricht damit ein Problem langer Sportlerkarrieren an: Die letzten Leistungen können die öffentliche Wahrnehmung prägen, obwohl die größten Erfolge bereits Jahre zurückliegen.
Im Dezember soll Wawrinka bei einer Exhibition in Genf noch einmal gemeinsam mit Federer, Gaël Monfils und Andy Murray auf dem Tennisplatz stehen. Seine sportliche Bilanz steht bereits fest. Ob seine Leistungen auch die Anerkennung erhalten, die Connors für angemessen hält, bleibt eine andere Frage.