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Die letzten Wochen von MotoGP und Formel 1 werden vom Nahost-Konflikt überschattet. Während die Motorrad-Weltmeisterschaft trotz unwilliger Fahrer den Katar-GP an diesem Wochenende wie geplant durchzieht, steht die Entscheidung der Formel 1 noch bevor. Aber absolut nichts deutet hier auf Widerstand im Fahrerlager hin.
Aufseiten der inzwischen ebenfalls zum Liberty-Media-Konzern gehörenden MotoGP hatte sich in den letzten Wochen solcher Widerstand hingegen massiv zugespitzt. Eine Mehrheit der Fahrer hatten wiederholt Garantien von der Rennserie eingefordert, die aber stattdessen Start-Verweigerern mit sportlichen Strafen bis hin zu Punktabzügen und Sperren gedroht haben soll.
Die Krise gipfelte trotzdem in einer Start-Absage des Yamaha-Konzerns. Der Rest der MotoGP ist jedoch mittlerweile in Katar, hat sich gefügt, hat am Freitag die ersten Trainings hinter sich gebracht. Die Stimmung ist denkbar schlecht. Mehr dazu, unter anderem von WM-Favorit Marc Marquez, gibt es in diesem Artikel.
Auf Formel-1-Seite wird das Thema öffentlich ebenfalls seit Monaten diskutiert, aber an keinem Punkt wurde es auch nur annähernd so hitzig wie in der MotoGP. Ob Fahrer oder Teams, niemand rückt von der Meinung ab, dass man Vertrauen in das F1-Management rund um CEO Stefano Domenicali und die FIA rund um Präsident Mohammed Ben Sulayem habe.
Dass sich die MotoGP-Fahrer so positioniert haben, ist für Mercedes-Teamchef Toto Wolff unverständlich: "Wenn Fahrer aufstehen, die nichts darüber wissen, was geopolitisch abgeht, aber ein Publikum haben, das ihnen zuhört – das erzeugt nur ein mediales Echo. Aber wäre ich in dieser Lage, hätte ich genau das getan, was das MotoGP-Management getan hat."
"Wenn du fahren willst, dann geh. Wenn du nicht willst, dann nicht. Ganz einfach." Wolff unterstreicht sein absolutes Vertrauen in die Prozesse von Liberty und der FIA: "Dass die Formel 1 den internationalen Richtlinien folgt, ob es Reisebeschränkungen gibt, ob die Fluggesellschaften fliegen, ob es irgendwelche Warnungen für die Region gibt."
Aktuell gibt es für Katar und Abu Dhabi eben keine solcher Warnungen oder Einschränkungen: "Es ist auch das Feedback der örtlichen Regierungen. Nicht nur der Vermarkter, auch die örtlichen Regierungen. Darauf musst du dich meiner Meinung nach verlassen. Da stehe ich voll dahinter."
"Natürlich müssen wir aufpassen, was in den nächsten Tagen und Wochen passiert, da hat Stefano die Finger am Puls, er hat das im Auge", meint Wolff. "Wenn es gefährlicher wird, dann werden er und Mohammed die Ersten sein, die die Leute schützen wollen, die reisen sollten."
Mercedes-intern seien bisher keine Sorgen aufgekommen, so Wolff. Er weiß, wie er darauf reagieren würde: "Es ist kein Thema. Aber wenn jemand nicht das Vertrauen in die Situation hat, um anzureisen, dann werde ich das immer respektieren. Vielleicht ist es eine Gelegenheit, jemand anderem eine Chance zu geben – aber es würde die Beziehung mit niemandem verändern."
"Ich habe immer respektiert, dass manche nicht zu bestimmten Grands Prix reisen wollen, so sehe ich das momentan", sagt Wolff. Ferrari-Teamchef Fred Vasseur hat dem am Freitag in der Pressekonferenz von Brasilien nicht viel zu ergänzen: "Wie Toto sagt, als Organisation sind wir robust, und wir vertrauen der FIA, der FOM, Stefano."
"Bezüglich der internen Fragen sind wir in der Mitte von neun Rennen in elf Wochen, da ist jeder darauf fokussiert", so Vasseur. "Vielleicht wird es etwas später ein Thema, aber nicht heute, und letztendlich werden wir respektieren, was Teammitglieder denken." Dem Vernehmen nach ist der 10. November nun für die F1 eine erste absolute Deadline, wenn man Imola als einzelnes Ersatzrennen einwechseln möchte. Muss man nach dem 10. November kurzfristig absagen, würde die Saison wohl in Las Vegas enden.