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Müde, geschlagen, aber auch recht gefasst schlurfte Alexander Zverev aus der riesigen Tennis-Arena von Shanghai. Seinen ungläubig blickenden chinesischen Fans mit ihren „Stand with Sascha“-Plakaten auf den Tribünen tat Zverevs überraschende Halbfinal-Niederlage gegen den Spanier Alejandro Davidovich Fokina offensichtlich mehr weh als dem gestrauchelten Favoriten selbst – am Ende einer kräftezehrenden Woche war der Tank der kommenden Nummer eins schlichtweg leer.
„Ich war heute im dritten Satz einfach physisch besser“, sprach Davidovich Fokina nach dem 5:7, 6:4, 6:3 in der Sauna von Shanghai das ohnehin deutlich Sichtbare aus. Für die Nummer 26 der Welt war es das 48. Tour-Match der Saison – Zverev hat 30 Matches mehr bestritten, beim French- und US-Open-Sieger ist am Ende einer Traumsaison die Leichtigkeit der Mühsal gewichen. Fokina wird im Finale auf seinen spanischen Landsmann Rafael Jodar treffen, der Daniil Medwedew ausschaltete (6:3, 6:4).
Dass es nichts wurde mit seinem zweiten Final-Einzug in Shanghai, ist insgesamt verschmerzbar. 2019 war Zverev beim 4:6, 1:6 gegen Daniil Medwedew chancenlos. Dennoch ändert die Halbfinal-Niederlage Zverevs Ausgangslage für die kommenden Wochen. Durch sie steht nun fest, dass er noch nicht beim kommenden Turnier in Wien den Sprung an die Spitze der Weltrangliste schaffen kann. Bei einem Final-Einzug hätte Zverev mit einem Turniersieg in Österreich am 2. November erstmals Weltranglistenerster sein können. Dass er die Nummer eins in diesem Jahr werden wird, ist seit Montag Gewissheit.
Bei schwülen 29 Grad und geöffnetem Hallendach in der Qizhong Forest Sports City Arena spielte Davidovich Fokina in seinem vierten Masters-Halbfinale von Beginn an sehr stabil und ließ nur wenig zu. Bei 5:5 war Zverev dann aber voll da und nahm dem Spanier sehr dominant entscheidend den Aufschlag ab.
Im zweiten Satz wackelte Zverev mehrmals und kassierte das entscheidende Break zum 4:6. Davidovich Fokina wirkte nun deutlich frischer und spielte sich phasenweise in einen Rausch. Schnell führte der Mann aus Málaga 3:0 und 4:1, Zverevs Widerstand schien nur noch halbherzig. Zwei Matchbälle wehrte der Hamburger noch ab, den dritten dann nicht mehr.
Am Ende einer Saison der Superlative wird diese Niederlage nicht mehr als eine Fußnote sein. 10.070 Weltranglisten-Punkte wird Zverev am kommenden Montag besitzen, als siebter Spieler seit der Reform 2009 knackt er die 10.000er-Marke. Und das reicht dicke, um am Jahresende das ATP-Ranking anzuführen.
Mit dieser wohligen Aussicht im Kopf kann Zverev nun den geschundenen Körper etwas Schonung gönnen: Die Verschiebung des Six Kings Slam wegen der Kriegshandlungen in Saudi-Arabien verschafft ihm eine seltene freie Woche. sid