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Mit Kreativität und Empathie schweißt Trainer Thioune Werder zu einem erfolgreichen Team zusammen. Für den Aufschwung sorgt nicht nur Füllkrug, sondern auch die Spieler in dessen Schatten.
Der grün-weiße Integrationsmotor wird angetrieben durch Punkte. „Erfolge schweißen zusammen“, sagte Daniel Thioune, „Integration funktioniert vor allem, wenn man gewinnt.“ Selten wirkte der Trainer des SV Werder so mit sich im Reinen wie am Samstag nach dem 2:0 gegen die TSG 1899 Hoffenheim dank der Tore von Niclas Füllkrug und Eren Dinkci. Einen der „besten Tage in Bremen für alle“, resümierte Thioune am Ende eines Spiels, das Werder mit 15 Punkten auf Rang fünf überraschend gut dastehen lässt.
Die Frage nach der Eingliederung der Neuen kam dabei nicht von ungefähr. Klar, da ist Niclas Füllkrug, der nun sogar Rudi-Völler-Rekorde bricht, indem er Niclas-Füllkrug-Dinge tut: Er traf im siebten Bundesliga-Spiel nacheinander – das gelang zuletzt dem heutigen DFB-Sportchef in der Saison 1982/83. Füllkrugs neun Tore nach acht Spielen sind sogar alleiniger Bestwert der Werder-Geschichte.
Thioune war es jedoch ein Anliegen, nicht nur den zu loben, der bald wieder Nationalspieler sein könnte. Sondern auch diejenigen, die hinter den Kulissen der Füllkrug-Show stehen: Arthur, Ludovit Reis, Eren Dinkci und Youri Regeer. „In Lückes Schatten fliegen andere Jungs“, sagte Thioune und dachte auch an den Langzeitverletzten Mitchell Weiser, der am Samstag zwar angeschlagen raus musste, grundsätzlich aber spielbereit ist und nach seiner langen Pause ebenfalls wie ein Zugang betrachtet wird. Ebenso Dinkci, die Leihe aus Freiburg, in Bremen geboren.
Dabei hatte Thioune den Kader nach der gruseligen Vorsaison erst sehr spät vollständig. Im Sommer hatte sich ja ein Bremer Grundproblem gezeigt: Erst nach Verkäufen kann eingekauft werden. Auf dem Transfermarkt ist Werder von anderen abhängig. Das ist ein fremdbestimmtes Geschäftsprinzip, das den Verantwortlichen Phantasie und Geduld abverlangt – und am Ende soll es dann der Trainer regeln.
In den Wirren dieses Transfersommers wurde aus dem Bremer Nachteil aber ein Vorteil: Füllkrug und Dinkci wurden „frei“ und erinnerten sich an gute Zeiten an der Weser. Arthur hoffte auf Spielpraxis, Reis vergaß seine HSV-Vergangenheit und wollte ebenfalls Einsatzminuten. Der Niederländer Regeer, erprobt bei Ajax im Europapokal, sollte Anführer Jens Stage ersetzen. So konnte Sportchef Clemens Fritz trotz der schwierigen Umstände ein stimmiges Gerüst zusammenstellen.
Dass Thioune ein empathischer, zugewandter Mann mit integrativen Fähigkeiten ist, hat er schon in Osnabrück, Hamburg und Düsseldorf bewiesen. Und doch steht hinter seinem Namen immer noch ein unsichtbares Fragezeichen: Ist das wirklich ein Bundesligatrainer? Ist er. Er hat die Mission Klassenverbleib gemeistert, nun will er so schnell wie möglich die berühmten 40 Punkte sammeln. Dafür hat Thioune eine eingespielte Mannschaft und eine Kaderbreite, die für die hiesigen Verhältnisse enorm ist – wenn sogar Senne Lynen von der Bank kommt.
Im vergangenen Jahr waren Thioune die Anstrengungen des Amtes anzusehen. Er schien immer leiser, immer diplomatischer zu sprechen. Das hat Kraft gekostet. Nun kommen Humor, Wortwitz und Freude an Formulierungen zurück: Das Äußere spiegelt das Innere. Er scheint zu merken, dass sein Standing als Bundesliga-Coach besser wird. Gerade greift ein Rädchen ins andere. „Das war männlich, stark, robust“, lobte Füllkrug den Aufritt gegen am Ende müde Kraichgauer, „ich hatte das ganze Spiel ein Grinsen im Gesicht.“ Wenn die kurze Eröffnung gegen hoch pressende Hoffenheimer missglückte, war der Abschlag Mittel der Wahl.
Der seit Wochen starke Amos Pieper pries die Bereitschaft, zu helfen, sich in jeden Schuss zu werfen. So taugte dieses 2:0 vor wie immer stimmungsvoller Kulisse auch, um die Tränen des späten 2:3 in Dortmund im Pokal zu trocknen – als Werder das bundesweite Publikum daran erinnerte, dass es da doch einen traditionsreichen Standort oben im Norden gibt, den man seit Jahren nicht mehr auf dem Zettel hatte. Aus Gründen. Thioune hat sich mit seiner Elf der Enttäuschten und Vergessenen daran gemacht, Bremen wieder zu einem beliebten Zentrum der Bundesliga zu machen. Ob das trägt? Wird man sehen.