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Leverkusen · Bei der 2:4-Niederlage gegen den VfB Stuttgart gab es bei der Einwechslung von Mittelfeldspieler Malik Tillman Pfiffe. Das Tischtuch zwischen dem 24-Jährigen und nicht wenigen Leverkusener Fans scheint zerschnitten.
Es waren Szenen, die selbst im Profifußball selten vorkommen, in Leverkusen wohl noch seltener. Als Malik Tillman am Samstagnachmittag beim Stand von 1:4 gegen den VfB Stuttgart für Afonso Moreira eingewechselt wurde, bedachten ihn die eigenen Fans mit vereinzelten Pfiffen und Buhrufen. Im Anschluss an die zweite Liga-Niederlage in Serie stand der 24-Jährige vor den Umkleidekabinen mit Teamkollege Ibrahim Maza und dem Stuttgarter Bilal El Khannouss zusammen. Dabei war auch seine Situation Gesprächsthema. Auf Englisch fragte der VfB-Angreifer Tillman entgeistert: „Haben sie dich wirklich ausgebuht? Warum?“
Die Antwort des Leverkuseners war kaum zu verstehen. Seine Sicht auf das angespannte Verhältnis zu vielen Fans des Werksklubs ist ohnehin deutlich komplexer, als er sie kurz nach Spielende in wenigen Sätzen hätte erklären können. Fakt ist: Seit seinem Wechsel 2025 von der PSV Eindhoven ist der Mittelfeldspieler, der für eine kolportierte Rekordablöse von rund 35 Millionen Euro gekommen war, deutlich hinter den Erwartungen geblieben.
Sechs Tore und ein Assist gelangen dem gebürtigen Nürnberger in seiner ersten Bundesligasaison für Leverkusen. Zu wenig für einen Profi, den Experten als besten Spieler der Eredivisie gefeiert hatten und der schon als junger Spieler Einsätze beim FC Bayern München absolviert hatte. Unter dem neuen Bayer-Trainer Carles Martinez sollte er einen Neuanfang starten. In den ersten beiden Ligaspielen stand Tillman tatsächlich in der Startelf. Seitdem geht es für den technisch versierten Profi, der in seinen Aktionen häufig jedoch lethargisch wirkt, wieder bergab. Nur noch im Pokal und in der Europa League durfte er seitdem von Beginn an ran.
Tillman gilt als clever, als Spieler, der viel nachdenkt, womöglich sogar zu viel. „Wir arbeiten mit ihm daran, weil seine mentale Stärke manchmal schwankt. Fußball ist Fußball, aber wenn es einem mental nicht gut geht, wird es nur noch schwieriger“, sagte Martinez über seinen Schützling. Der Spanier sieht sowohl Tillman als auch das Trainerteam, die Mannschaft und den Klub in der Verantwortung. „Wir müssen uns verbessern, und auch er muss besser werden. Dabei werden wir ihm helfen.“ Zu den Pfiffen sagte der Coach, er könne den Fans nichts vorschreiben. „Es liegt an Malik und uns, besser zu werden und diese Wahrnehmung zu ändern.“
Simon Rolfes hat die Situation rund um Tillmans Einwechslung als „nicht so extrem“ wahrgenommen. Doch auch der Sportgeschäftsführer weiß um die komplizierte Lage des Bayer-Profis. „Ich finde es schade, denn er hatte eine gute Phase. Am Mittwoch gegen Nürnberg hat er sich dann wieder schwergetan. Als Mannschaft, aber auch als Einzelner, muss man in schwierigen Zeiten nach vorne schauen“, sagte er. Wenn man in keiner guten Situation stecke, helfe häufig nur die Flucht nach vorne. „Das ist wichtig, dass Malik das macht. Als Spieler musst du das Selbstvertrauen behalten. In einer Karriere wird es immer schwierigere Phasen geben, und in denen musst du an dich selbst glauben.“
Vor etwas mehr als einem Jahr war der ehemalige Leverkusener Trainer Peter Bosz mit Eindhoven zu Gast in Leverkusen. Nach dem 1:1 in der Champions League feierten die mitgereisten PSV-Anhänger den damals frisch zu Bayer gewechselten Tillman mit Sprechchören. Schon damals waren erste Spannungen zwischen dem Spieler und den Bayer-Fans spürbar. Bosz’ Appell an die Leverkusener lautete: „Habt Geduld mit Malik, schenkt ihm Liebe und sprecht mit ihm. Denn dieser Junge kann so toll Fußball spielen.“
Bleibt die Frage, wie viel Geduld Bayer und Tillman weiterhin aufbringen. Sein Vertrag gilt bis 2030. Kurz vor dem Ende der vergangenen Sommertransferphase soll Leverkusen ein Angebot über 45 Millionen Euro von Brighton & Hove Albion aus der Premier League ausgeschlagen haben.