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Rassistische Beleidigungen überschatten Derby
Das 3:0, die Sache ist erledigt: Torschütze Leon Pfeiffer, Sebastian Löser und Paolo Cipolla (v.l.) feiern ausgelassen.
Das 3:0, die Sache ist erledigt: Torschütze Leon Pfeiffer, Sebastian Löser und Paolo Cipolla (v.l.) feiern ausgelassen. © bruno haelke

Der TSV 1865 Dachau hat das Spitzenspiel der Fußball-Landesliga in Jetzendorf 3:0 gewonnen. Überschattet wurde das Spiel von rassistischen Beleidigungen gegen Dachauer Spieler.

Jetzendorf/Dachau – Es war ein klasse Spiel. Schnell, rassig, viele Zweikämpfe, drei Tore, 450 Zuschauer, und es gab mit dem TSV Dachau 1865 einen verdienten Sieger. Überschattet wurde das Derby der Fußball-Landesliga Südwest am Freitagabend in Jetzendorf von schlimmen Szenen. Nach übereinstimmenden Angaben mehrerer Zeugen wurden einige Spieler des TSV 1865 von Jetzendorfer Zuschauern rassistisch beleidigt, unter anderem mit Affenlauten (Anm.: der Redaktion: Im Kader der Dachauer sind Spieler mit dunkler Hautfarbe sowie Spieler mit Migrationshintergrund). Der TSV Jetzendorf hat umgehend reagiert und Hausverbote ausgesprochen. In einer Stellungnahme des Vereins heißt es: „Rassismus und Diskriminierung haben beim TSV Jetzendorf keinen Platz“ (siehe Kasten).

Das Match begann mit einem Paukenschlag. Bereits in der 2. Minute hatte der Gastgeber die Möglichkeit, durch Leon Heinzlmair in Führung zu gehen. Doch sein Schuss aus sieben Metern wurde im letzten Moment geblockt. Dies war aber augenscheinlich der Weckruf für das Team aus Dachau, das fortan Chef auf dem Platz war. Mannschaftlich geschlossen, wurden die Jetzendorfer angelaufen, Fehlpässe wurden erzwungen. Entsprechend viel kam die Mannschaft von Dachaus Trainer Christian Doll in Ballbesitz.

Die ersten Tore ließen auch nicht lange auf sich warten. Bereits in der 8. Minuten gingen die Dachauer durch einen verwandelten Foulelfmeter durch Berkant Barin in Führung. Der überragende Lorenz Knöferl war zuvor im Strafraum von den Beinen geholt worden. Wiederum nur acht Minuten später netzte Berkant Barin zum Doppelpack unhaltbar für den überzeugenden Jetzendorfer Keeper Daniel Witetschek ein.

Es war also in den ersten 16 Minuten der Partie einiges drin. In der ersten Halbzeit hatte Dachau das Heft des Handelns komplett in der Hand, während Spitzenreiter Jetzendorf einfach nicht in die Partie fand. Zudem entwickelte sich ein Privat-Duell zwischen Dachaus Angreifer und Ex-Löwe Knöferl und Jetzendorfs Keeper Daniel Witetschek. Der Jetzendorfer Torhüter gewann das Duell zwar, doch den dritten Treffer konnte auch er nicht verhindern. Wieder das Duell Knöferl gegen Witetschek, wieder pariert der Schlussmann, aber gegen den Nachschuss des eingewechselten Leon Pfeiffer, der nach langer Verletzungspause erstmals wieder spielen konnte, war auch er machtlos (89.).

Unter dem Strich ist der Sieg des TSV 1865 Dachau hochverdient. Die Dachauer waren griffiger und nahmen das Spitzenspiel schnell an, während Jetzendorf gerade im ersten Spielabschnitt so gut wie nicht stattfand. In der zweiten Halbzeit zeigte sich der Gastgeber besser, allerdings verpufften alle Bemühungen an der starken Defensive des Gastes. Dachau 65 hatte neben den drei Treffern noch jede Menge Einschussmöglichkeiten.

Mit dem Sieg übernahmen die Dachauer die Tabellenspitze. Für nicht wenige ist der TSV 1865 der Top-Favorit auf die Meisterschaft.

„Meine Jungs haben den Matchplan voll und sehr gut umgesetzt", freute sich Dachaus Trainer Christian Doll. Der überragende Lorenz Knöferl fand „die Mannschaftsleistung brutal“. Jetzendorfs Trainer Markus Pöllner gratulierte den Dachauern fair, „der Sieg war verdient“.

Stellungnahmen zu den Vorfällen

Stellungnahme des TSV Jetzendorf: Der TSV Jetzendorf nimmt die vom TSV Dachau 1865 geschilderten Vorfälle sehr ernst.

Unser Ordnungsdienst ist nach Abpfiff vom Schiedsrichtergespann darauf hingewiesen worden, dass es von einzelnen Personen zu rassistischen Beleidigungen gegenüber Spielern vom TSV Dachau gekommen ist.

Wir stellen unmissverständlich klar: Rassismus und Diskriminierung haben beim TSV Jetzendorf keinen Platz. Als Verein und als gesamte Mannschaft distanzieren wir uns entschieden von solchen Äußerungen und Verhaltensweisen. Zugleich wollen wir klarstellen, dass die Vorwürfe sich auf einzelne Personen aus dem Zuschauerbereich beziehen und nicht auf unsere gesamte Zuschauerschaft übertragen werden dürfen. Dies ändert jedoch nichts an unserer klaren Haltung: Jede einzelne rassistische Äußerung ist eine zu viel!

Als die entsprechenden Vorwürfe aufkamen, haben sich Spieler unserer Mannschaft umgehend mit den Spielern des TSV Dachau 1865 solidarisiert, sich hinter sie gestellt und versucht, die Situation zu beruhigen. Damit hat unsere Mannschaft eine klare Haltung gezeigt.

Wir sind über diese Vorwürfe zutiefst erschüttert und enttäuscht. Nicht nur tritt es die Werte unseres Vereins mit Füßen, sondern auch die Arbeit von mehr als einem Dutzend Ehrenamtlichen, die alleine für die Durchführung von so einem sportlichen Großereignis viele Stunden gearbeitet haben. Der TSV Jetzendorf steht für Respekt, Fairness und ein gemeinschaftliches Miteinander. Rassismus hat bei uns keinen Platz.

Da der TSV Jetzendorf die Vorwürfe keinen bestimmten Personen zuordnen kann, wird dem Personenkreis, gegen den sich die Vorwürfe richten, ein Hausverbot erteilt. Damit setzen wir ein klares Zeichen: Rassismus hat beim TSV Jetzendorf keinen Platz.

Stellungnahme des TSV Dachau 1865: Der TSV 1865 Dachau verurteilt die rassistischen Beleidigungen von Teilen der Zuschauer bei unserem letzten Auswärtsspiel beim TSV Jetzendorf. Beim Spiel wurden mehrere Spieler unseres Teams aus dem Zuschauerbereich rassistisch beleidigt und unter anderem mit Affenlauten verunglimpft. Solche Vorfälle sind keine „Übertreibung“, kein Teil von Stadionkultur und kein Kavaliersdelikt: Rassismus hat im Fußball und in unserer Gesellschaft absolut keinen Platz.

Wir stehen uneingeschränkt an der Seite unserer betroffenen Spieler. Sie haben unsere volle Solidarität, unsere Unterstützung und unsere Rückendeckung. Niemand muss rassistische Angriffe hinnehmen, um Fußball zu spielen. Wir bekennen Farbe für eine offene, faire und inklusive Gesellschaft. Gemeinsam gegen Rassismus. Immer. Überall.

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