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Der 16-jährige Kajakfahrer vom TSV Schongau siegt beim Weltcupfinale in Krakau. In den beiden internationalen Wettkämpfen zuvor musste er sich stets mit Bronze begnügen.
Krakau – Da stand er nun und strahlte über das ganze Gesicht. Ganz oben auf dem Podest. Endlich. Lukas Ramsayer hat sich den größten Erfolg seiner noch jungen Karriere für den Saisonabschluss beim Weltcup in Krakau aufgehoben. Zweimal in dieser Saison war der große Triumph für den Teenager aus Oberhausen, der für den TSV Schongau startet, zum Greifen nah. Zweimal hatte er eine Hand schon dran an Gold. Sowohl beim Weltcup in Millau (Frankreich) als auch bei der Europameisterschaft im finnischen Lieksa war der 16‑Jährige derjenige, den es im Freestyle zu schlagen galt. Den Vorlauf entschied er in beiden Fällen für sich. Nur im Finale, da ließ ihn das Glück im Stich. Stets musste er sich mit Bronze begnügen. Freilich ein großer Erfolg. Trotzdem sei er „sehr enttäuscht gewesen“, erzählt Lukas Ramsayer. Hatte die Form doch gestimmt.
Ich möchte mir selbst was beweisen.
Beim zweiten und gleichzeitig letzten Weltcup dieser Saison im polnischen Krakau passte nun endlich alles zusammen. Vom jungen Spanier Marc Silva Fores einmal abgesehen, kam keiner seiner Konkurrenten auch nur in die Nähe der Punktzahl, die das deutsche Nachwuchstalent ins Wasser gezaubert hatte. Gleich im ersten Lauf versetzte er den Hoffnungen der Konkurrenz einen satten Dämpfer: 1343,33 Punkte. Da konnte keiner mithalten. Fores war mit 1200 Punkten noch am wenigsten weit abgeschlagen. Doch Ramsayer legte nach. Übertraf die Punktzahl des Spaniers auch im zweiten Versuch (1256,67 Punkte). Dem wiederum gelang nur mehr eine Wertung von 1040 Punkten. Auf den finalen Versuch kam es nicht mehr an. „Spätestens, als ich beim letzten Lauf am Start stand, wusste ich, dass ich gewonnen habe“, berichtet der Nachwuchsfahrer.
Dabei sei die Welle in Krakau eher von der langweiligen Sorte gewesen. Deutlich mehr Spaß hatte dem Youngster das Exemplar bei der Europameisterschaft im finnischen Lieksa bereitet. „Die war groß und hatte viel Kraft“, erinnert er sich. Dass es beim Weltcupfinale in Polen so gut lief, hing – da ist sich der 16-Jährige sicher – auch mit der Zeit zwischen den Wettkämpfen zusammen. Die hat er nämlich mit Freunden in Norwegen verbracht. Bei seiner großen Leidenschaft, dem Wildwasserfahren. „Das hat weniger mit Leistung zu tun“, sagt er. „Beim Freestyle musst du ja immer voll fokussiert sein.“ Dieses Geerdete, Mensch und Natur im Einklang, habe ihm bei der Vorbereitung auf Krakau ebenso geholfen wie sein Training im und außerhalb des Wassers. Ausdauer- und Krafteinheiten gehören für Lukas Ramsayer schließlich gleichermaßen zum Alltag wie der Austausch mit seinen Brüdern Felix und Simon: ebenfalls vielversprechende Talente im Kajaksport, auf deren Unterstützung der 16-Jährige freilich auch in Krakau bauen konnte.
„Weniger verbissen“ und mit einem „anderen Mindset“ sei er beim Weltcup in Polen an den Start gegangen. „Ich hatte eine gute Ausgangslage und wusste, was ich brauche“, berichtet Lukas Ramsayer von den letzten Augenblicken vor dem finalen Durchgang. Als seine Kontrahenten schließlich allesamt aus dem Wasser gestiegen waren und keiner seine Punktzahl überboten hatte, fiel dem jungen Kajakfahrer ein großer Stein vom Herzen. Dass ihm im letzten Durchgang nicht mehr die ganz große Zaubershow gelang, war letztlich egal. Gold konnte ihm niemand mehr nehmen. Nicht bei der Deutschen Meisterschaft, die er ebenfalls gewonnen hatte, und nicht beim Weltcupfinale.
Die nächste Chance auf Edelmetall hat der 16-Jährige bei der WM im kommenden Jahr. In Sort, einer Stadt in den spanischen Pyrenäen, werden die Titelkämpfe ausgetragen. Auf einer Strecke, die Lukas Ramsayer – anders als Lokalmatador Fores – noch gar nicht kennt. „Ich war da noch nie.“ 2027 wird gleichzeitig sein letztes Jahr im Juniorenbereich. Die offene Rechnung mit der EM, die ebenso wie die WM alle zwei Jahre ansteht, müsste er demnach 2028 in der U23 versuchen zu begleichen. An Selbstvertrauen fehlt es in jedem Fall nicht. Eine Medaille – warum nicht? „Ich denke, dass ich mithalten kann“, sagt Ramsayer.
Und wer weiß: Um den nächsten Traum wahr werden zu lassen, braucht es im Vorfeld vielleicht nicht mehr als einen möglichst langen Ausflug in die Fjordlandschaft Skandinaviens. Dort, im hohen Norden Europas, tankt Lukas Ramsayer Kraft für kommende Ziele. Das Wildwasser ist seine Leidenschaft, die künstlichen Freestyle-Wellen im Kanal sind sein sportlicher Arbeitsplatz. Abenteuer gegen Adrenalin – „zwei verschiedene Paar Schuhe“, erklärt er. Passen sollen sie ihm am besten beide. „Ich möchte mir selbst was beweisen.“ Daran lässt der 16-Jährige keine Zweifel.